Full text: Volume (Bd. 8 (1875))

512 V o ß Zur Theorie der Grundschuld.
gatorisches Band zur wirklichen Existenz komme-,' es wird nur festge^
stellt, daß der eingetragene Grundschuldgläubiger, der eingetragene Ei-
gentümer als möglicher Gläubiger resp. Schuldner, und zwar in
erster Linie, in Betracht kommen. Sollen sie zugleich wirklicher Gläu-
biger resp. Schuldner werden, so muffen noch andere Thatsachen hin-
zukommen, welche durch die Eintragung allein nicht verwirklicht werden.
Was aber von der Neueintragnng einer Grundschuld gilt, das gilt in
analoger Weise auch von allen eingetragenen oder nicht eingetragenen
Uebergangsakten, welche den Grundschuldgläubiger oder den Eigenthümer
des verhafteten Grundstücks resp. durch andere Personen ersetzen
Es sind dieselben Eigentümlichkeiten vorhanden, welche auch die
juristische Konstruktion der Inhaberpapier^Obligation erschweren. Diese
selbst ist hier nicht zu erörtern. Es bleibt daher nur der Anschluß an
eine der bisher zur Darstellung gebrachten Theorien übrig, wobei wir
nicht anstehen, der von Goldschmidt angedeuteten und von Förster a. a.
O. Band I. Seite 364 s. grundzüglich ausgeführten den Vorzug zu
geben.
>Durch den Erwerb des Znhaberpapiers. sagt Letzterer, entscheidet
sich, wer Gläubiger sein kann, erst durch die Präsentation, die Klage
oder Einlösung, wer wirklich Gläubiger ist. Bis dahin ist zwar ein
durch die Ausstellung des Papiers bekundeter einseitiger Verpflichtungs-
wille vorhanden, das obligatorische Band ist von der einen Seite fest-
gehalten, aber noch ist ungewiß, wer es voriger andern Seite er-
greifen und dadurch die Obligation zum Abschluß bringen wird. Die
Gläubigerschast schwebt noch.. Von dem Moment an. wo der Inha-
ber des Papiers sich bei dem Schuldner meldet, ist er dessen bestimmter
Gläubiger geworden: Gläubiger ist der Präsentant."
Die Abweichungen, welche bei Anwendung dieser Theorie aus die
obligatorische Seite der Grundschuld statthaben, ergeben sich leicht. Zm
Jnhaberpapier kommt ein wirklicher Verpflichtungswille als Summen-
versprechen zur Erscheinung: „an den Vorzeiger dieser Worte zahlt die
Bank N Mark ohne Prüfung der Legitimation;" in dem Grund-
schuldbriefe nichts wenigstens nur mittelbar und durch die Form ^Ein-
getragen re." mehr verdeckt als hervorgehoben. Die Verpflichtung,
welche der Aussteller eines Znhaberpapiers übernommen hat, bleibt aus
ihm liegen, während der Verpflichtete aus der Grundschuld mit der-
selben Leichtigkeit und, dürfen wir hinzusetzen, nach denselben Grund-
sätzen sich ändern kann, wie der Gläubiger.

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