Full text: Volume (Bd. 8 (1875))

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Voß: Zur Theorie der Grundschuld.
Grundschuldners zwar von letzterem benutzt werden kann, um die
Grundschuld zu tilgen, aber von dem Grundschuldgläubiger als
solchem nicht zu seiner Befriedigung herangezogen werden kann.
Zn welcher Weise man aber den Inhalt der Grundschuld sich
denken soll, wenn man sie als ein nicht blos scheinbares, sondern als
ein wirkliches dingliches Recht betrachtet , darüber sind die Ansichten
getheilt. Der eben gedachten Auffassung nähert sich am meisten die-
jenige, welche die Grundschuld als eine wirkliche „obligatio fundi“ be-
handelt und demnach das verhaftete Grundstück gewissermaßen mit
schuldnerischer Persönlichkeit ausstattet. Man hat schon aus allgemeinen,
dem römischen Begriffe von der obligatio entnommenen Gründen gegen
diese Auffassung sich gesträubt. Zndeß würden jene Gründe allein
schwerlich genügen, um eine Konstruktion des Rechtes zurückzuweisen,
welche im übrigen die Anforderungen der Theorie und der Praxis
befriedigte.
Die Ausdrucksweise des Eigenthumserwerbgesetzes scheint hier und?
da diese Konstruktion zu begünstigen.. Der Name der Grundschuld
allein ist schon etwas verfänglich. „Für das eingetragene Kapital
haftet das ganze Grundstück mit allen seinen zur Zeit der Eintragung
? nicht abgeschriebenen Theilen" (§ 30 a. a. O.) „Der Eigentümer
kann auf seinen Namen Grundschulden eintragen und sich Grund-
schuldbriefe ausfertigen lassen. Er erlangt dadurch das Recht, über
die Grundschuld zu verfügen." (§ 27 a. a. O.) „Wenn eine Hy-
pothek oder Grundschuld ungetheilt auf mehreren Grundstücken haftet,
so ist der Gläubiger berechtigt, sich an jedes einzelne Grundstück
wegen seiner ganzen Forderung zu halten (§ 42 a. a. O.).
Der Verwerthung dieser Ausdrücke für die Theorie der obligatio
. fundi tritt jedoch schon der Umstand in den Weg, daß sie zum Theil
nicht blos von der Grundschuld, sondern auch von der Hypothek gelten,
in welcher die heutzutage herrschende Meinung eine obligatio rei
nicht mehr erblickt.
Der gedachten Konstruktion selbst aber stellt doch die Auffassung
des Gesetzes und das Vedürfniß des Vermögensverkehrs die gewichtigsten
Bedenken entgegen.
Ist das Grundstück der Schuldner, so ist es der Eigenthümer des
Grundstücks in seiner Eigenschaft als Person nicht. Zahlt er das
Grundkapital oder die Zinsen, woran er allerdings ein Znteresse haben
* kann, so handelt er nicht als Schuldner, sondern als Intervenient,

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