Full text: Volume (Bd. 8 (1875))

479

Voß: Zur Theorie der Grundschuld.
das römische Recht zu unserem heutigen Rechtssysteme gelangt
sein würden.
Nichtsdestoweniger erscheint es zweckmäßig, wenn wir bei der Be-
trachtung unsres Thema's von den römischen Gegensätzen dinglicher
und obligarorischer Rechte als einer positiven Boraussetzung ausgehen.
Hiermit versetzen wir uns noch nicht in die Nothwendigkeit, daS Recht
der Grundschuld in eine bestimmte Klasse dinglicher oder obligatorischer
Rechte des Pandektensystems unterzubringen. Aber wir werden in der
von uns gewählten Grundlage einen Maßstab finden, welcher unseren
Blick auch für die etwaigen nicht römischen Gesichtspunkte unserer Ge-
setze schärfen wird. Und finden wir solche, so werden wir nicht zu
. dem Schlüsse gelangen, daß wir von einer falschen Grundlage ausge-
gangen sind, sondern zu der Frage, welche Winke der Gesetzgeber für
das Verständniß seiner Auffassung uns an die Hand gegeben hat,
und in wie weit wir diese seine Auffassung selbst als eine Fort-
entwickelung römischer oder deutschrechtlicher Rechtsbegriffe im modernen
Sinne bezeichnen können.
Der dritte Abschnitt des Gesetzes über den Cigenthumserwerb k.
trägt die Überschrift: „Von dem Recht der Hypothek und der Grund-
schuld." Gr scheint hiermit andeuten zu wollen, daß beide Formen
dinglicher Belastung verwandt seien. Aber worin besteht diese Ver-
wandtschaft? Die Hypothek des Gesetzes über den Eigenthums-
erwerb re. ist wie die Hypothek des römischen und diejenige des älteren
preußischen Rechts ein dingliches Recht, welches als ein accefforisches
bezeichnet zu werden pfiegt. Hierunter versteht mau. daß die Gültigkeit
der Hypothek an die Gültigkeit einer Forderung geknüpft ist, zu deren
Sicherheit sie dienen soll, und zwar regelmäßig derjenigen Forderung,
für welche sie von Anfang an bestellt ist. In dieser Anlehnung des
dinglichen Rechtes an das obligatorische erkennt man mit Fug eine
wesentliche Eigentümlichkeit des Pfandrechts.
Gerade diese Besonderheit fehlt aber der Grundschuld des Gesetzes
vom 5. Mai 1872. Geht man hiervon aus. so muß man nicht nur
der Grundschuld den Namen eines aceessorischen dinglichen Rechts ab-
sprechen, sondern auch nothwendigerweise das Attribut der Selb',
ständigkeit ihr zuerkennen, vermöge welcher ihre GMenz an die Gültig-
keit einer zu sichernden Forderung nicht gebunden ist. Erwägt man
im Anschluffe hieran, daß auch der Eigenthümer eines Grundstückes
Grundschulden in das Grundbuchblatt desselben auf seinen Namen

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.

powered by Goobi viewer