Full text: Volume (Bd. 8 (1875))

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Pfizer: Der Rechtsgrund.

in Beziehung auf welche dieselbe eingetreten ist, vermehrt worden?
Dies ist unzweifelhaft bei dem mit fremder Frucht angeblümten Acker
der Fall; erst in zweiter Linie darf gefragt werden: ist der Tausch-
wert h der Sache erhöht worden? Diese Erhöhung darf nur be-
rücksichtigt werden, wenn die Sache nachweisbar für den Eigenthümer die
Bedeutung eines Tauschobjekts hat (1. 29 eit.: „nisi si venalem
eum habeas“); dies wird bei der Verschönerung eines Hauses durch
Fresken regelmäßig nicht zutreffen; läßt sich aber ausnahmsweise jener
Nachweis führen (z. B. der entwehrende Eigenthümer bringt das
Haus alsbald zur Versteigerung und es wird ein den früheren Anschlag
weit übersteigender Erlös erzielt), so wüßten wir in der That nicht,
was den bonus judex abhalten sollte, dem Maler oder seinem
Auftraggeber einen entsprechenden Theil des Erlöses zuzusprechen;
freilich, nicht jeder Richter ist ein bonus judex, und es giebt in Deutsch-
land Gebiete, wo man es für durchaus überflüssig hält, daß ein Richter
auch nur die Elemente der Volkswirthschaftslehre, z. B. den eben
bemerkten Unterschied Zwischen Gebrauchs- und Tauschwerth kenne!
Noch ist hier eine allgemeine Bemerkung zu machen: die Bedeu-
tung der Bereicherungsklagen des heutigen Rechts ist eine entschieden
geringere, als diejenige der eonäietiones des römischen Rechts, welche
man neuerdings als Bereicherungsklagen bezeichnet. Der Grund wurde
schon oben angedeutet: er liegt in dem dem römischen Schuld - Recht
zu Grunde liegenden Prinzip des einseitig-formellen Versprechens und
der Klaglosigkeit des formlosen Vertrags; dieser mußte, um klagbare
Ansprüche zu erzeugen, in zwei Formalversprechen aufgelöst werden,
und der Klage ex stipulatu konnte die Einrede des nichterfüllten
Vertrags nicht —, jedenfalls nicht mit der Wirkung entgegengehalten
werden, daß der Kläger den materiellen Rechtsgrund seines Anspruchs
hätte bezeichnen und beweisen müssen. War der auf Leistung und
Gegenleistung gerichtete Vertrag in zwei Stipulationen aufgelöst, so
stand allerdings dem zuerst auf Erfüllung Belangten auch seinerseits
regelmäßig eine aetio ex stipulatu zu; allein einmal konnte deren
Erfolg häufig dadurch ausgeschlossen werden, daß dem Beklagten die
Erfüllung ohne sein Verschulden unmöglich geworden war (und im-
possibilium nulla est obligatio), sodann mochte es wohl häufig Vor-
kommen, daß nur die Verpflichtung des einen Theils in die Form
der Stipulation gebracht wurde, während der andere Theil sich auf
die Redlichkeit des Gegners verließ: hier wird es häufig (nicht immer;

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