Full text: Volume (Bd. 8 (1875))

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Pfizcr: Der Rechtsgrund.

des dinglich Berechtigten) aus; m. a. W.: selbst wenn die Auslassung
(„absolut") nichtig ist, erklärt das Gesetz den durch die Eintragung be-
wirkten Eigeuthumsübergang nicht für nichtig (welchen Falls auch der
redliche Rechtsnachfolger des aus Grund der nichtigen Auflassung
Eingetragenen keinen Schutz gegen die Vindikation des Eigenthümers
finden könnte), sondern blos für anfechtbar („relativ ungültig") gegen-
über dem ersten Eingetragenen und denjenigen seiner Rechtsnachfolger,
welche dies entweder unentgeltlich (durch Schenkung, Erbgang oder
Vermächtnis;) oder in bösem Glauben, d. h. in Kenntnis; des in der
Person ihres Vormanns vorhandenen Mangels im Recht geworden
sind; die rei vindicatio ist also in Wirklichkeit noch weniger als eine
actio Publiciana, da der Kläger mit dieser auch gegen den titulo
lucrativo -besitzenden redlichen Erwerber nicht durchdringt. — Von
dieser Seite aus läßt sich also gegen das preußische Gesetz und gegen
seine Erhebung zum Reichsgesetz, d. h. seine Einverleibung in das zu
schaffende bürgerliche Gesetzbuch gewiß nichts einwenden; bedenklich mag
es Manchem erscheinen, daß nach demselben der Schutz des Grund-
eigenthums in letzter Linie aus der Zuverlässigkeit der Grundbuch-
sichrer beruht; allein wenn man einmal die „Publieität des Eigen-
thums" im Interesse des Verkehrs einführen will, so wird man diese
Gefahr mit in den Kauf nehmen müssen; auch wird durch die
Sicherungsmaßregeln, welche das angeführte Gesetz (§ 2) und der dritte
Abschnitt der Grundbuch-Ordnung vorschreibt, die Gefahr auf ein sehr
kleines Maß zurückgeführt. Jedenfalls verdient diese Gesetzgebung weit-
aus den Vorzug vor dem dermaligen Rechtszustand in Würtemberg,
nach welchem das System des Erwerbs durch den privaten Akt der
Tradition mit demjenigen des Erwerbs auf Grund der öffentlichen
Bücher gänzlich prineiplos verquickt ist, und welcher sich ungefähr so
darstellt: § 1. Wenn Jemand durch Tradition Eigenthümer geworden
ist, so ist er gegen jeden Anspruch Dritter gesichert. § 2. Wenn aber
Jemand auf Grund der öffentlichen Bücher Eigenthum oder ein ding-
liches Recht erworben oder zu erwerben geglaubt hat, so ist er auch
gegen den: wahren Eigenthümer gesichert. 8 3. Aber wenn der wahre
Eigenthümer gegenüber den unrichtigen Einträgen in den öffentlichen
Büchern sein Recht in irgend einer Weise gewahrt hat, so ist er wie-
der gegenüber von demjenigen gänzlich gesichert, welcher auf Grund
der öffentlichen Bücher dingliche Rechte erworben hat u. s. w.

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