Full text: Volume (Bd. 8 (1875))

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Pfizer: Der Rechtsgrund.

unzulässig erscheint/ Deutlich genug bezeichnet Papiman die an-
geführten Rechtsgeschäfte als Beispiele für eine allgemein geltende
Regel, und die Regel ist heute noch so richtig, wie zu Papinians Zeit,
wenn auch die ihr unterliegenden Fälle heute andere sind als damals.
Weitaus das wichtigste Rechtsgeschäft aber, auf welche die Regel An-
wendung findet und schon zu Papinians Zeit Anwendung fand, ist die
Tradition in ihrer Eigenschaft als Cigenthum-übertragendes Geschäft;
wenn der Jurist sie nicht aufführt, so hat dies seinen guten. Grund
darin, das für ihn, der lateinisch redete, die traditio zwar immer ein
actus, aber nicht immer ein actus legitimus war, gerade wie
wir bei den Worten: „Uebergabe, übergeben" keineswegs immer an
ein Hingeben zu Eigenthum denken. Unsere Rechtswiffenschaft gebraucht
aber das Wort stets im prägnanten Sinn, und wenn es in diesem
Sinne gebraucht wird, dann leidet auf die Tradition - der Satz der
1. 77 volle Anwendung: non recipit diem vel conditionem: ich kann
wohl versprechen, die mir gehörige Sache unter einer Bedingung,
für einen ungewissen künftigen Fall einem Andern zu geben, damit er
sie als eigen habe, aber unmöglich ist es, die Sache wirklich dem An-,
dern zu eigen zu geben unter einer Bedingung, gerade so unmöglich,
wie es ist, einen bedingten Strich zu machen; und wenn von „beding-
ten Tradirionen" gesprochen wird (W. Sell hat ein eigenes Buch
darüber geschrieben!), so hat dies einen Sinn nur dann, wenn man
das Wort Tradition nicht im prägnanten Sinn gebraucht; denn dies
ist allerdings möglich: ich kann meine Sache einem Andern einhändi-
gen mit der Erklärung: „wenn dieses oder jenes Ereigniß eintritt. so
sollst Du die Sache als eigen haben," und wenn das Ereigniß eintritt,
so wird der Empfänger Eigenthümer, allein der Eigenthumsübergang
vollzieht sich hier nicht durch den actus legitimus der traditio im präg-
nanten Sinn, sondern durch die sog. traditio brevi manu, welche
zwar ein Rechtsgeschäft, , legitima, aber kein actus ist, sondern aus
bloßer Willenserklärung und Willensänderung beruht; die körperliche
Uebergabe der Sache bewirkt hier keinen Eigenthumsübergang, sondern
einen rechtlosen Besitz, ein precarium des Empfängers. Die Verken-
nung dieser einfachen Wahrheiten, dieser „leitenden Grundsätze" hat zu
der Entstehung der juristischen Mißgeburt des pactum reservati do-
minii geführt, worüber zu vgl. meinen Aufsatz im württemb. Archiv
Bd. 15, S. 209 fg. — Wie das non recipit conditionem, so gilt
aber von der Tradition auch das Andere: nonnunquam tacite re-

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