Full text: Volume (Bd. 8 (1875))

Pfizer: Der Rechtsgrund.

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Geldes statt des letzteren dem Gläubiger einen Wagen Heu zu liefern
verspricht, wenn auch keine Novation, so doch ein klagbares Versprechen
ist, wird von Niemand bezweifelt werden.' Daraus folgt aber für
das heutige Recht mit Nothwendigkeit, daß nach der Erfüllung der
neuen Zusage, mag sie an die Stelle der alten Schuld (novatio) oder
neben sie (obligatio alternativa) getreten sein, der Schuldner stets
nur für Eviktion haftet.
Man wende auch nicht ein: cessante ratione legis non cessat
lex ipsa; so gewiß und nothwcndig mit der Anerkennung der Klag-
barkeit des formlosen Vertrags das Reuerecht des zuerst Leistenden
wegsallen muß, ebenso nothwendig bedingt diese Anerkennung den
Wegfall des Nnteischieds zwischen dnre und tradere zum liabere licere;
das Eigenthum - Verschaffen war wesentlich für den römischen Real-
contract, unwesentlich ist es für den sogenannten Eonsensual-Eontrakt,
für den Vertrag. Schon oben wurde angedeutet, daß der deutsche
Begriff des Vertrags ein anderer sei als der römische des contractas:
kr contractus ist ein Zustand, der Vertrag eine Handlung, wir reden
vom „Abschluß eines Handels" in demselben Sinn, wie vom „Abschluß
eines Vertrags;" der römische contractus ist die Folge unseres Ver-
trags, der Uebereinstimmung zweier Willenserklärungen. Cs ist frei-
lich eine alte Untugend der Deutschen, statt der guten Worte der eigenen
Sprache unverstandene oder halbverstandene Worte einer fremden Sprache
zu gebrauchen; und so ist es denn auch schon lange Mode, einen Vertrag
„Kontrakt" zu nennen; das würtembergische Landrecht von 1610 dekli-
nirt sogar wie „die Magd, die Mägde." so auch „der Contract. die
Contracte;" und wir fürchten, daß selbst das Ohr mancher Juristen
kaum beleidigt würde, wenn Jemand sagt: er habe einen Contract
geschloffen; und doch ist dieß eine sprachliche Barbarei: „einen zusam-
men bezogenen, zusammen geschlossenen Willen schließen;" con-
trahere (sc. obligationem) heißt: einen Vertrag schließen; contractus
ist der geschlossene Vertrag, den man also selbstverständlich nicht noch
einmal schließen, sondern höchstens bestärken, bekräftigen kann.
Der contractus, der Zustand des auf einander bezogenen Willens
zweier Personen kann auf verschiedene Weise entstehen, durch Wort wie
durch That, fit re, fit consensu; der Vertrag, die „Vereinigung Meh-
rerer zu einer übereinstimmenden Willenserklärung" (Savigny), die
„Vereinigung zweier Willenserklärungen" (Windscheid) ist nur eine
Art der Entstehung des contractus, und nicht aus jedem Vertrag

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