Full text: Volume (Bd. 8 (1875))

Pfizer: Der Rechtsgrnnd. 379
natürlich immer in der Aufstellung solcher Zeitgrenzen, denn ein inne-
rer Grund dafür, daß das dem Kinde am Tage vor dem achten Ge-
burtstag gegebene Versprechen nichtig, — das am Tag nach demselben
gegebene gültig sein soll, wird regelmäßig nicht vorhanden .sein; allein
die Rechtssicherheit kann einmal ohne solche Willkürlichkeiten und Fik-
tionen nicht bestehen, die Aufgabe der Gesetzgebung kann es daher nur
sein, den Kreis dieser Fiktionen möglichst enge zu ziehen. Auch für
die deutsche Gesetzgebung wird kein Anlaß vorliegen, dem zurückgelegten
siebenten Lebensjahre die ihm vom römischen Recht beigelegte Bedeu-
tung zu entziehen und erst von da an Handlungsfähigkeit des Kindes
auch in der Richtung anzuerkennen, daß dem Wort desselben rechtliche
Bedeutung zukommt. Es fragt sich daher nur: in welchem Umfang
ist der Minderjährige nach vollendetem siebenten Jahre handlungsfähig?
Der Standpunkt des römischen Rechts läßt sich in zwei Sätze zusam-
men fasten:
Vor dem siebenten Jahre muß der Minderjährige einen Vormund
haben, weil er handlungsunfähig ist. — Nach dem siebenten Jahre ist
er handlungsunfähig, weil er einen Vormund hat.
Die gemeinrechtliche Controverse, ob der mündige Minderjährige
hinsichtlich der Fähigkeit, sich zu verpflichten, dem über sieben Jahre
alten Unmündigen gleich stehe oder nicht, interessirt uns hier nicht;
denn sicher ist: soweit derselbe überhaupt nach römischem Recht unfähig
ist, sich zu verpflichten oder zu veräußern, ist diese Unfähigkeit bedingt
dadurch, daß er einen Vormund hat; hat er einen solchen nicht, so ist
seine Handlung an sich vollkommen rechtsbefländig und es steht ihm
nur das Rechtsmittel der in integrum restitutio zu (I. 3 0. II., 22).
Daß aber auch der (über sieben Jahre alte) Unmündige nur darum
unfähig ist, sich zu verpflichten, weil er einen Vormund hat, dafür
spricht einmal, daß in den Quellen nirgends dem impubes als solchem,
sondern immer nur dem pupillus die Handlungsfähigkeit abgesprochen
wird (freilich konnte nach römischem Recht der Fall nicht leicht ein-
treten, daß ein impubos keinen Vormund hatte, da der durch Testa-
ment oder Gesetz Berufene Vormund wurde unmittelbar durch die
Berufung, ohne daß es einer Bestellung und Verpflichtung durch die'
Obrigkeit bedurfte); sodann vor Allem, daß die natürliche Handlungs-
fähigkeit des Unmündigen vielfach in so fern anerkannt wird, als die
von ihm vorgenommenen Rechtsgeschäfte eine, wenn auch mit geringen
Kräften ausgestattete, natürliche Verbindlichkeit erzeugen. — Die Füh-

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