Full text: Volume (Bd. 8 (1875))

298

Literatur.

juristische Constructionen". In allen diesen Fällen sei nämlich jener
dingliche Anspruch nichts weiter, als der gewöhnliche Publicianische An-
spruch, die Konstruktion aber in einer Reihe derselben die, daß es sich
um eine Publiciana des gewesenen Eigenthümers gegen den jetzigen
Eigenthümer handelt: in einer Reihe anderer sei jene actio in rem als
Publiciana in der Weise zu konstruiren, daß eine Person, die eine Sache
in eigenem Namen angeschafft und Eigenthum erworben hat, als der
unmittelbare Stellvertreter des Klägers fingirt wird.
Der erste Abschnitt (S. 1 — 156) der sich mit der Publiciana in ihrer
ersten Anwendung beschäftigt, ragt an Ausdehnung und virtuell vor den
folgenden hervor-, wir wollen daher die bezüglichen Auseinandersetzungen
des Verfassers kurz verfolgen. Außer den bereits oben berührten Füllen
(S. 56—81, 85—88), in denen dem Schenker unter bestimmten Voraus-
setzungen gegen den Beschenkten eine dingliche Klage — sie heißt außer
in rem actio auch utilis actio (1. 30, P. 39. 6); actio qua dominium
pristinum restituatur, vindicatio (c. 1 0. 8. 55) — gegeben wird, wer-
den vom Verfasser die folgenden angeführt:
1. der Anspruch des zur Eigenthumsübertragung gezwungenen Eigen- .
thümers (S. 19—48), bezeichnet als in rem actio 1. 9 § 4. 6.
D. 4. 2. c. 3 C. 2. 20. Paul. 8. R. I 7 § 4) ;
2. der Anspruch des gewesenen Bräutigams, der der gewesenen Braut
rücksichtlich der dem anderen Theil gemachten Geschenke bei dem
von demselben verschuldeten Nichtabschluß der Ehe (S. 82—85),
bezeichnet als utilis in rem actio (c. 15 C. 5. 3);
3. der Anspruch der geschiedenen Ehefrau rücksichtlich einer von ihr
bestellten Dos (S. 48—55), bezeichnet als Publiciana actio (1. 12.
pr. D. 6. 2).
4. der Anspruch des gewesenen Eigenthümers gegen den gegenwärtigen
Eigenthümer für den Fall einer Restitution gegen den Eigenthums-
Verlust (S. 124—145).
Hierzu kommen noch:
5. der Anspruch des gewesenen Eigenthümers eines auf fremden
Grund und Boden verpflanzten Baumes und des früheren Eigen-
thümers einer von einem andern bemalten Tafel (S. 89—98),
bezeichnet als utilis in rem actio, utilis actio (1. 5. § 3. D. 6. 1.,
1. 9. § 2. D. 41. 1., Graj. Inst. II. 78);
6. der Anspruch des früheren Eigenthümers von durch Speeifikation
in eine neue Sache verwandeltem Material (S. 98—123), bezeichnet
als utilis actio (1. 30. D. 24).
In allen diesen Fällen handelt es sich nach dem Verfasser um eine
dem früheren Eigenthümer einer Sache Zur Verfolgung derselben zu-
stehende Publicianische Klage und zwar aus folgenden Erwägungen.
Diese Klage hatte der Eigenthümer, so lange er ein solcher war: durch
den eingetretenen Eigenthumsverlust hat er indeß nicht auch die Publiciana
verloren, denn die Zuständigkeit derselben beruht nicht auf einem Recht,
sondern auf Thatsachen, und die einmal vorhandenen Thatsachen (gut-
gläubiger Besitzerwerb einer ersitzungsfähigen Sache) werden durch später
eingetretene Thatsachen nicht ungeschehen gemacht. Die Publiciana hat
sonach ein jeder frühere Eigenthümer, und zwar gegen Jedermann, also
auch gegen den gegenwärtigen Eigenthümer. Aber Erfolg hat sie regel-

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