Full text: Volume (Bd. 8 (1875))

Literatur.

285

nischer Weise sich entwickelt hat und, trotz der scheinbaren Willkürlichkeit
und Launenhaftigkeit, im Großen und Ganzen nur in drei oder vier
große Gruppen sich scheidet. Nachdem Schröder in der 1. Abtheilung des
II. Theiles das bayrisch-schwübisch-alemannische, oder süddeutsche, in der
2. das fränkische oder mitteldeutsche eheliche Güterrecht des Mittelalters
behandelt hatte, hat er jetzt in der dritten Abtheilung das sächsische und
frisische Recht dargestellt. Wie für das fränkische, kommen ihm auch für
dieses Rechtsgebiet mehrere in jeder Beziehung vorzügliche Vorarbeiten
zu statten, denen wir sicher auch den raschen Abschluß des Werkes mit
zu verdanken haben. In dieser Beziehung wollen wir nur erinnern an
die bekannten Schriften von v. Gerber, Laband, Hänel, Agrieola
und v. Martitz, deren hauptsächlichste Ergebnisse auch durch wiederholte
Prüfungen nur bestätigt worden sind, ein Umstand, der jedoch die Selbst-
ständigkeit des Schröder'schen Buches in keiner Weise verringert.
Nach dem Vorgänge von Maxtitz hat auch Schröder das Güter-
recht von Todeswegen vorangestellt, weil dieses Gebiet weniger bestritten
ist und daher einen sichereren Ausgangspunkt für die weitere Unter-
suchung gewährt. Obwohl es den Leser eigenthümlich anmuthet. Zuerst
von den Verhältnissen bei Auflösung der Ehe und erst dann von den
Zuständen während der Ehe zu hören, so dürste doch gegen die beliebte
Eintheilung wenig einzuwenden sein. Es sind hauptsächlich zwei Sätze,
deren Erhärtung wir als das wichtigste Ergebniß des Schröder'schen
Buches bezeichnen müssen: der eine, daß das westfälische Recht ursprüng-
lich durchaus auf dem Standpunkte des eigentlich sächsischen Rechtes steht,
und zuerst in den Städten die schon in der Lex Saxonum erwähnte
Theilung des Nachlasses zu einer Theilung des ehelichen Vermögens und
bet beerbter Ehe zum System der allgemeinen Gütergemeinschaft aus-
gebildet worden ist; der zweite, daß das Mittelalter das Recht der Güter-
gemeinschaft ganz in demselben Sinne wie das heutige Recht gekannt
hat, wie auch im Fränkischen Rechte die heute noch bestehende partikuläre
Gütergemeinschaft schon im Mittelalter sich ausgebildet hatte. Hiefür
sind die Ausführungen über das Dortmund-Hamburger-Recht besonders
lehrreich. Ein Beweis, daß wir es mit uralten Stammeseigenthümlich-
keiten zu thun haben, ist das fränkisch-thüringische System, das uns be-
gegnet, soweit die Gränzen der alten Thüringer-Lande reichen. Dieses
Rechtssystem gehört jedoch zu den fränkischen Rechten und nicht zu den
sächsischen und hätte unserer Ansicht nach besser im Zusammenhänge mit
jenen in der 2. Abtheilung behandelt werden dürfen; denn im Gegen-
satz zum sächsischen Rechte faßt es zunächst die eheliche Errungenschaft
als einen eigentümlichen Vermögenskomplex auf und weist sie bei Auf-
lösung der Ehe entweder dem überlebenden Gatten ganz zu oder theilt
sie halb und halb zwischen diesem und den Erben des verstorbenen Ehe-
theiles. Mit vielem Scharfsinn hat Schröder das System des sogen.
Drittheilrechtes behandelt, wonach bei Auflösung der kinderlosen Ehe
das ganze eheliche Vermögen getheilt wird, und zwar so, daß zwei Drittel
auf die Seite des Mannes und ein Drittel auf die der Frau fallen.
Dieses zu den bestrittensten Theilen des ehelichen Güterrechtes gehörende
System galt namentlich in der Markgrafschaft Meißen, in den Städten
Dresden und Leipzig, §on wo es durch den dortigen Oberhof großen
Einfluß gewann, ferner in Polen und Böhmen. Schröder spricht nun

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.

powered by Goobi viewer