Full text: Volume (Bd. 8 (1875))

248 Pütler: Zur Lehre von der eventuellen Eidesdelation
betreffenden Rechtsverhältnisses seinen Anspruch und deferirt für den
Fall, daß der Gegner die Klage-Thatsachen leugnen sollte, dem letz-
teren sogleich den Eid, oder legt, wie der technische Ausdruck ist, die
Sache zur Eideshand des Gegners.
Bei der Klage auf Beweis dagegen erbietet der Kläger sich von
vornherein, die geleugneten Thatsachen durch Zeugen oder Urkunden
zu bewahrheiten.
Der einmal gewählte Weg ist unabänderlich. (Mevii Commen-
tarius loco citato no. 9.)
Schärfer als in diesen Gesetzen kann man die grundverschiedene
Natur des Schiedseides und der sonstigen Beweismittel nicht füglich
charakterisiren.
Bei der Klage auf Beweis, und somit auch bei unserer Be-
weisantretung durch andere Beweismittel als durch den Eid. produzirt
der Beweissührer Urkunden oder Zeugenaussagen, deren Znhalt den
. Richter zur Ueberzeugung von der Wahrheit oder Unwahrheit einer
bestimmten Thatsache bewegen soll; und je nachdem dieses gelingt oder
mißlingt, ist es schließlich der Richterspruch, welcher auf Grund
dieser Aussagen die Sache so oder anders anders entscheidet; das
richterliche Urtheil über die vorgebrachten Beweismittel giebt die
' Entscheidung in diesem oder jenem Sinne ab.
Zwar ist der erkennende Richter gemeinrechtlich durch positive
Regeln gebunden und es könnte säst scheinen, als dürfte man nicht
mehr das Urtheil, sondern nur die demselben zu Grunde liegenden
Aussagen der Zeugen und den Znhalt der Urkunden als das Entschei-
dende ansehen. Zn gewissem Sinne ist dies allerdings richtig, dennderRichter
ist ja an den Znhalt der Urkunden wie der Zeugenaussagen gebunden.
Allein diese Gebundenheit macht dennoch die richterliche Thätigkeit nicht
unnothig. Auch wenn die Urkunden vorliegen und die Aussagen der
vernommenen Zeugen bekannt sind, kann dennoch keine Partei mit
mathematischer Gewißheit sagen, daß sie gewinnen müsse; weil eben
der Richter möglicherweise die Beweise anders als die Partei wür-
digen kann, und somit liegt die Entscheidung hier doch immer in dem
Urtheile des Richters.
Ganz verschieden hievon ist es bei der Klage auf den Cid,
und in Folge dessen auch bei unserer Beweisantretung durch Eides-
delation. Hier hängt die Entscheidung lediglich von dem Eide, und
zwar dermaßen unbedingt ab, daß jede Partei mit mathematischer

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