Full text: Volume (Bd. 8 (1875))

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Dahu: Dee^ Kampf für das Recht.
des RechtsbewußtseinS mit voller Anspannung seiner geistigen und
sittlichen Kräfte sich darüber Klarheit erringe, ob die herrschende Rechts-
ordnung eine seine eigene subjektive RechtSvernunft befriedigende sei,
und wenn er sich hiebei in Disharmonie mit derselben befindet, daß
er mit gleicher Energie ans friedenSordnungsmaßigem Wege eine Um-
gestaltung der herrschenden Normen nach dem ihm vorschwebenden
Rechtsideal anstrebe. Denn nur bei solcher Uebereinstimmung gehorcht
der Einzelne freudig und freiwillig, im Gegenfallc nur auS staatlicher
Disciplin, ans der Einsicht, daß die Anarchie, der Ungehorsam auch
um des Höher stehenden Rechtsideals willen schlimmer ist als eine
noch so verkehrte Rechtsordnung und die Zerstörung des Rechtslebens
im Prinzip. Die eifrigste Betheiligung aller Einzelnen in Kritik und
Reform des RcchtSzustandes wird aber auch um deßwillen von der
historischen Schule gefordert, weil sie weiß, daß eine Rechtsordnung
desto mehr dann gefährdet, der Verrottung oder dem gewaltsamen Um-
sturz desto dringender ausgcsetzt ist, je mehr sie lediglich auf äußeren
geschichtlichen Voraussetzungen oder auf dem Sonderinteresse einzelner
Stände und der dumpfen Trägheit der Massen, auf der bloßen Fort-
Wirkung des Geistes der Vergangenheit beruht, daß umgekehrt Gesund-
heit, Lebenskraft und Sicherheit der herrschenden objektiven „Rechts-
Vernunft" desto größer, je wahrhaftiger sie den Ausdruck der gegen-
wärtigen subjektiven RechtSvernunft der großen Mehrzahl der Rechts-
genossen bildet. Für die deutsche Reichsversassung von 1671 gewährt
der Zusammenschluß mit der Rechtsüberzeugung des deutschen Volkes
eine ganz andere Bürgschaft energischer Verthe'idigung als für die des
heiligen römischen Reiches oder des deutschen Bundes.
Manches Treffende führt , dann der Verfasser aus über den Werth,
welchen ein Volk auf einen durch harten Kampf errungenen Rechtssatz
legen wird, über die Bewährung nationaler Kraft und politischer
Tüchtigkeit in der Gestaltung und Behauptung eines befriedigenden
RcchtSzustandes. Gewiß hat die Geschichte auch dcS Privatrschtes, des
Eivilprozesies, des Strafprozesses in Rom und England die politischen
Vorzüge in dem Charakter des römischen und des englischen Volkes
fast ebenso klar entfaltet und gesteigert wie die Verfassungsgeschichte
dieser Staaten.
Gleichwohl kann man nicht sagen, daß die Mühe des Crringens
allein über die Liebe entscheidet, mit welcher ein Volk an einem
Rechtsinstitut hängt; der Inhalt, der Werth des dadurch geschützten

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