Full text: Volume (Bd. 2 (1834))

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gen fremde Einwürfe vertheidigt; wir haben aber noch nicht
die Haltbarkeit der Folgerung an sich geprüft. Betrachten
wir dieselbe nun genauer, so finden wir, daß sie mit ihrem
Schlußsätze nicht sowohl auf der Gemeinschaft und Untheil-
barkeit beider Willen, als vielmehr auf einer bestimmten
Auslegung, die wir derselben untergelegt haben, basirt wor-
ben ist.
Die Gen,einschäft zweier oder mehrerer Willen kann
eben sowohl darin bestehen, daß einer so gut wie der an-
dere seinen Willen ausspricht, als darin, daß einer so we-
nig wie der andere für sich seinen Willen, sondern viel-
mehr beide zusammen ihren gemeinschaftlichen Willen er-
klärten. Wir haben die letzte Art einer Willensgemeinschaft
einseitig zum Grunde gelegt, und daraus mußte nothwen-
dig folgen, daß der weder von dem einen, noch von dem
andern, als von Einzelnen, sondern von beiden, als von
Einer Person, gemeinschaftlich ausgesprochene Wille erst
nach dem Tode beider Testatoren dem Honorirten ein Recht
erwerben konnte.
Es fragt sich daher, ob diese letzte Art der Willens-
gemeinschaft hier wirklich Platz greifen kann, mithin unsere
Auslegung richtig und zweifellos ist?
Zweifelhaft ist sie aber jür den Fall eines von
zwei Personen erklärten Willens schon in so fern, als ihr
die entgegengesetzte Weise, wie die Willensgemeinschaft ver-
standen werden kann, wenigstens mit gleichem Rechte ent-
gegensteht. Hat aber diese auch nur gleiches. Recht, hier
zur Anwendung zu kommen, so verdient sie, im Zweifels-
falle, in favorem testamenti, weil sie zur Erhaltung einer
Willensverordnung dient, nach bekannten Rechtsprincipien
den Vorzug. '
Allein die zum Grunde gelegte Weise der Willensge-
nreinschaft ist auch hier unanwendbar, und hiermit der Ober-

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