Full text: Volume (Bd. 2 (1834))

444

Die testamentarischen' Erben müssen aber auch in dem Falle,
wenn die Nocherben zwar übergangen oder enterbt, ihnen
aber Legate ausgesetzt sind, und dieselben sich dadurch be-
schwert halten — ebenfalls als Exception — den Beweis
führen, daß der Werth der Legate dem Betrage des Pflicht-
theils ganz gleichkomme 58). ■
Eine von bei! querela inofficiosi verschiedene actio
expletoria giebt es daher in dem^ Landrecht nicht. Es hat
vielmehr — und zwar in nothwendiger Conseqrttnz des Ent-
wicklungsganges, welcher die letztere hat entstehen lassen—
eine neue, von jenen beiden in der einseitigen Gestalt, wie
sie in der früheren römischen Bildungsstufe erscheinen, frei-
lich ganz verschiedene, dessen ungeachtet aber'beide nach ih-
rem Wesen als Momente in sich enthaltende, Klage ge-
schaffen werden müssen. Eine Klage, deren Be ding un-

freilich nur im unmittelbaren Bezüge auf die exheredatio bona mente,
indessen offenbar aus einem Motive, das eben so sehr auch bei der
eigentlichen Enterbung gilt.
58) Oie Worte des §. 432.:
„Behauptet ein im Pflichttheil enterbtes, verkürztes,
oder sonst belastetes Kind, daß ihm ein solcher Nach-
theil aus einer nicht gesetzmäßigen, oder nicht gegrün-
deten Ursache zugefügt worden, so muß demselben recht-
liches Gehör darüber verstattet werden,"
scheinen nur den obigen Grundsätzen entgegenzustehen. Denn auch
der Creditor behauptet, daß der Verklagte die geforderte Summe
ihm schuldig sei, und dessen ungeachtet braucht er nur zu beweisen,
daß derselbe diese Summe ihm schuldig geworden. Zm Gegentheil
beweist die völlige Gleichstellung des Falles der gänzlichen Enterbung
und der bloßen Verkürzung in diesem Paragraphen: daß, was in
dem erster» gilt, auch in dem letztem gelten müsse; und da es im
erstem ganz unbezweifelt ist, daß die Testamentserben d^n Beweis
führen müssen, so muß dieß auch im letztem gelten. Es ist also
diese Verordnung eine, wenn auch indirecte, doch positive Bestäti-
gung dessen, was im Texte gesagt ist.

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