Full text: Volume (Bd. 2 (1834))

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baß sie die collibirenben Momente gleich anerkennt, und
das Object, in welchem'sie collibiren, bas Vermögen, un-
ter sie theilt: so daß den einen Lheil die Pflicht, den
andern «die Liebe vergiebt.25)

25) Daß der Urnkehrung, welche die Bedeutung dieser Theile
in den romanischem Rechten in so fern erfahren hat, als in densel-
ben nicht der der Familie gebührende, sondern der disponible Thtil des
Vermögens ein Pflichtteil ist, welchen nämlich die Familie von dem
Erbe der willkührlichen Verfügung des Erblassers zu überlassen habe,
ein'tieferes, sittlicheres Prmcip züm Grunde liege, und die daraus her-
vorgehende secundare Stellung des Testamentes vernunftgemäßer sei,
als das römische Recht mit seinem Gegensätze der Jntestat- und te-
stamentarischen Erbfolge und dem vermittelnden NolherbemRecht, —
von dieser Ansicht des Hrn. Prof. Gans (wiederholt ausgesprochen
in dem 3ten Bande seines Erbrechtes, namentlich S. 369., und in
seinen Beiträgen zur Revision der preuß. Gesetzgebung, S. 126 flgd.)
kann ich mich nicht'überzeugen. Denn 1) kommt eS nicht darauf
an, was an sich als das Sittlichere erscheint, sondern was unter den
gegebenen Verhältnissen wirklich sittlich sei, und so kastn denn auch
hier nur das in Frage gezogen werden: in wie fern der, in der Sphäre
der Sittlichkeit unbestreitbar begründete, Anspruch der Familie auf
das Vermögen in der Sphäre des formellen Rechtes sich äußern
könne. Oie Form der Erscheinung jenes Anspruches in dieser Sphäre
ist aber notwendig durch das eigenthümliche Princip derselben be-
dingt; und aus dessen Einfluß folgt vielmehr, wie oben entwickelt
ist: daß das Testament die formell principale Quelle des Erb-
rechtes ist, mithin die Subordinirung der Jntestatfolge, und die
Charakterisi'rung des Erbanspruches der eigentlichen Familie als Pflicht-
theil. Jene entgegengesetzte Gestaltung des romanischen Erbrechts,
hat im Gegentheil einen rein historischen Grund, wie die folgenden
Betrachtungen ergeben werden. Zn der I-owbarda ist die letztwillige
Disposi'tions-Befugniß nach ihrem unmittelbaren und nächsten Grunde
aufgefaßt, als das Recht der Eltern, einen Sohn, gm den« et se-
candum Deam obediens fuerit et servierit, vor den andern zu
melioriren (s. GanS, Erbr. III. 187. 188.). Die particuläre Liebe
soll also ein Recht haben, sich geltend zu machen, aber nur in so
fern sie begründet ist. Hieraus folgt aber, daß die Eltern keine Dis-
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