Full text: Volume (Bd. 2 (1834))

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mcra der markgräflichen Wohnung gehalten wurde, ward
es auch Kammergericht genannt.
Späterhin fielen die sonst häufigen Reisen der Mark-
grafen und nachherigen Kurfürsten in die einzelnen Pro-
vinzen und der öftere Wechsel des Aufenthalts fort. Die
Landesherren residirtem meist in Berlin, und führten in
den Sitzungen des Kammergerichts selten noch den Vorsitz,
so'wie denn allmählig auch vereidete Beamte und rechts-
kundige Beisitzer, zur Besorgung der Geschäfte dieses Ge-
richts, bestellt wurden.
Inzwischen hatte bas römische und kanonische Recht
schon längst in Deutschland Eingang gefunden, und war ge-
gen das Ende des 15ten Jahrhunderts als recipirtes gemei-
nes Recht des deutschen Reichs (Kaiserrecht) anerkannt wor-
den. Bei der Verbindung, in welcher die Mark mit dem
deutschen Reiche stand, konnte es daher nicht fehlen, daß
auch hier der Einfluß des römischen Rechts,'und der das-
selbe näher bestimmenden deutschen Reichsgesetze immer sicht-
barer wurde; im Proceßverfahren machte er sich vornäm-
lich geltend seit dem Jahre 1506, um welche Zeit eine Lan-
des-Universität zu Frankfurt a. O. errichtet, und daselbst
römisches. Recht zu lehren angefangen wurde.
Diese Umstände hatten denn die wichtige Folge, daß
unter Kurfirrst Joachim I-, in Gemäßheit der von demsel-
ben emanirten Kammergerichts-Ordnung, d.. d. Cöln an
der Spree, im Jahre 1516 4),
Mylius, Th. II. Abth. I. Col. 1. seq.
nachstehende Veränderungen der Rechtsverfassung einttaten:

4) Ob diese Kammergerichts-Ordnung anno 1516 oder 1526,
oder wann eigentlich publicirt worden, ist aus den Archivs-Acten nicht
zu ersehen, jedoch schon Bl. 1. derselben die Vermuthung ausgespro-
chen, daß es erst 1526 geschehen sein möchte.

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