Full text: Volume (Bd. 2 (1834))

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Zn dem vorliegenden Falle würbe mithin der Witt«
wer wirklich nicht nach dem Landrechte erben, nach dessen
Vorschriften er doch erben zu wollen erklärt hat, wenn er
nur die daraus ihm entspringenden Vortheile sich aneignen
wollte, ohne die damit unzertrennlich verbundenen Nachtheile
zu tragen. Wie hier dem Wittwer ein Erbrecht beigelegt,
ein Anspruch auf Ersatz für seine Verwendungen in das
Heirathsgut aber nur in befchrankterm Maaße bewilligt ist,
und jenes Recht und diese Beschränkung unzerttennlich zu-
sammen gehören: so ist umgekehrt im sächsischen Rechte die
größere Begünstigung des Ehemanns, als Usufructuars,
bei der Herausgabe des Heirathsguts, mit seiner geringem
Begünstigung bei der Erbfolge unzertrennlich verbunden.
Hiermit widerlegen sich von selbst sämmtliche Gegen-
gründe. Denn
1) steht der abstrakten Unterscheidung zwischen dem
reinen Erbrechte und den unter Lebendigen erworbenen Rechts-
verhältnissen der concrete Zusammenhang zwischen dem
Erbtheile und den dagegen zu conferirenden Rechten direct
entgegen. Conferenda betreffen auch unter Lebendigen er-
worbene Rechte, und gehören doch in das Erbrecht. Daher
ist auch ,
2) die Rechtsregel: lego UOU distinguente neo no-
strum est distinguere, womit man nur zu leicht Zweifel
beseitigt, in conereto nicht an ihrem Platze. Denn die
Distinction, deren ausdrückliche Bestimmung vermißt wird,
könnte nur in der Tautologie bestehen, daß derjenige, wel-
cher das Erbrecht nach den Vorschriften des allgemeinen
Landrechts wählt, auch nach den Vorschriften des allgemeinen
Landrechts, im ersten Titel des zweiten Theils, beurtheilt
werden solle. Das Gesetz unterscheidet implicite wirklich,
indem es dem überlebenden Ehegatten nichts weiter nach-
laßt, als — nach den Vorschriften des allgemei-

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