Full text: Volume (Bd. 2 (1834))

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Anweisungen nur so weit, als es nach den
Umstanden des Falles erforderlich und hin-
reichend ist, angewendet werden sollen."
Eben so heißt es im §. 65. Tit. 35. Th. I. der A- G. O-:
„Bestimmte Fristen, Fatalien und andere Förmlich-
keiten lassen sich dem Inquirenten so wenig, als dem
instruirenden Richter im Civilprocesse, vor-
schreiben."
Einzelne Anwendungen davon finden sich unter anderen in
den $§. 20. 21. Tit. 5. 12), §§. 25. 50. Tit. 10, §. 11.
Tit. 15, §§. 18. 71. Tit. 35. Th. I. der A. G. O.
Was nun die Bescheinigung anlangt, so laßt sich
nach der eben aufgestellten Grundansicht der preußischen
Proceßordnung im Voraus annehmen» daß dieselbe darin
nicht als unförmliches Beweisverfahren dem förmli-
chen gegenübersteht, weil überhaupt von eigenthümlichen
Solennitäten hinsichtlich des Beweises so wenig, als in
Betreff der übrigen processualischen Handlungen, die Rede ist.
Der Unterschied kann also nur darin bestehen,
baß die richterliche Ucberzeugung in den Fällen,
da daß Gesetz eine Bescheinigung für zureichend an-
sieht, nicht an so strenge Regeln gebunden ist, als
da, wo gesetzlich eine wirkliche Beweisführung für noth-
. wendig erachtet wird 13).

12) Uebereinstimmcnd mit cap. 6. X. de judiciis: „Providea-
tis attentius, ne ita subtiliter, sicut a multis lieri solet, cujusmodi
actio intentetur, inquiratis, sed simpliciter et pure factum ip-
sum, et rei veritatem, secundum formam canonum et sancto-
rum patrum instituta investigare curetis.”
13) Gravell in seinem Commentar zur A. G. O., Bd. II.
S. 30., sagt: „Es giebt aber eine dreifache Art, die Ueberzengung
des Richters dahin zu bestimmen, daß sie die gemachte Angabe für

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