Full text: Volume (Bd. 7 (1874))

nach dem Brandenburgischen Provinzialrechte. 60L
Frage, ob die Frau mitoerpflichtet ist, darauf an, was die
Frau bei Kontrahirung der Schulden verabredet hat. Hat
sie ausdrücklich hervorgehoben, daß sie nur im Namen ihres Mannes
handle, oder muß bei Gewerbe- oder Geschäftsangelegenheiten des
Mannes angenommen werden, daß der dritte Kontrahent wußte, es
handle sich nur um eine Angelegenheit des Mannes, so kann er auch
nur an diesen sich halten. Hat die Frau dagegen in eigenem Namen
gehandelt, so hat er die Wahl, ob er an sie oder an den Mann sich
halten will, und der Frau bleibt nur überlassen, sich mit ihrem Manne
auseinanderzusetzen respektive sich an ihn zu regressiren, wenn sie in
solchen Fällen in Anspruch genommen wird. Auch kann sie aus Be-
sreiung von der Schuld gegen ihren Mann klagen, wenn sie deshalb
von ihrem Kontrahenten belangt wird. Zn der Praxis der bran-
denburgischen Gerichte wird hiernach verfahren, und es
gereicht dies den Frauen nicht zum Nachtheile, denn wie soll
eine Frau, deren mittelloser Mann flüchtig geworden ist oder sie sonst
verlassen hat, den nothwendigen Kredit finden, wenn sie grade für die
unentbehrlichsten Dinge den Dritten auf ihren abwesenden Mann ver-
weisen muß und mit ihrer eigenen Person nicht eintreten kann. Das
Provinzialrecht weicht also in diesem Punkte von dem allgemeinen
Landrechte ab.
Die Vorschrift des allgemeinen Landrechtes, daß der Mann mit
seiner Person und seinem Vermögen den Gläubigern seiner Frau für
solche Schulden der letzteren verhaftet sei, in welche er eingewilligt
hat, 23:’) ist in der Mark Brandenburg vor der Publikation des Land-
rechtes unbekannt gewesen. 23{J). Sie fällt auch aus dem übrigen
Systeme des Landrechtes heraus und muß als eine ganz singuläre Be-
stimmung desselben ausgefaßt werden, denn wenn im Landrechte der
Grundsatz, daß Frauen ohne Einwilligung des Mannes sich nicht ver-
pflichten können, einfach verfolgt wäre, so würde dem Konsens des
Mannes nur die Bedeutung haben beigelegt werden können, daß durch
ihn die Verpflichtung der Frau hergestellt, aber eine eigene Schuld
des Mannes nicht begründet werde. Bornemannnl) und Scholtz-
Hermsdorf 2^) haben daher, mit Recht ausgeführt, daß diese ganze
235) A. L..R. II. 1. § 329.
23G) Bornemann: V. § 323. S. 109,
237) Bornemann: V. § 324. S. 110.
238) Scholtz-Hermsdorf: II. S. 46.

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