Full text: Volume (Bd. 7 (1874))

nach dem Brandenburgischen Provinzialrechte. 601
Besorgniß eines bevorstehenden Verlustes begründen. 225) In der Mark
gilt dies auch, da es nur als eine spezielle Anwendung der allgemeü
neu Grundsätze von den Arresten erscheint.^)
XIX. Schulden der Frau.
Die Bestellung einer Dos für eine Frau schließt nach dem römi-
schen Rechte nicht eine Universal-Sueeession an den Ehemann in sich.
Auch wenn ein Inbegriff von Sachen, ja, wenn das ganze Vermögen
der Frau zur Dos bestellt wird, erhält der Mann nur Rechte an den
Gegenständen und Forderungen, woraus sie sich zusammensetzen, ohne
daß die rechtliche Persönlichkeit der Frait erlischt und auf ihn über-
tragen wird. Hat die Frau bei Eingehung der Ehe Schulden, so
gehen diese auf den Mann für dessen Person nicht über. Dagegen
können die Gläubiger der Frau gegen diese nach wie vor Eingehung der
Ehe klagen und wegen ihrer Befriedigung auch ihr zur Dos bestelltes
Vermögen in Anspruch nehmen, denn dieses darf sie ihnen nicht ent-
ziehen. a27) Es gilt daher noch jetzt in der Mark, daß wegen aller
Schulden der Frau, welche sie vor der Ehe gemacht hat, ihr
ganzes in die maritalische Verwaltung des Mannes gelangtes Ver-
mögen haftet ilnd die Substanz desselben von den Gläubigern deshalb
in Anspruch genommen werden kann, ohne daß der Mann interveniren
und die Erhaltung seines Nießbrauches daran verlangen dürste. Die
Lage der Gläubiger wird durch die Verheirathung ihrer
Schuldnerin nicht verändert. Besitzt die Frau kontraktlich vor-
behaltenes Vermögen, so kann der Mann, wenn ihm Illatenstücke we-
gen solcher vor der Ehe entstandenen Schulden der Frau entzogen
werden, die Frau anhalten, daß sie diese aus dem vorbehaltenen Ver-
mögen ersetze, die Gläubiger aber kann er.nicht zunächst an dieses

a**) A. L. N. II. 1. § 255.
22v) Schmidt: Familienrecht. S. 196.
22?) Mulier bona sua omnia in dotem dedit; quaero an maritus quasi
heres oneribus respondere cogatur? Paulus respondit, eum quidem, qui tota
ex repromissione dotis bona mulieris retinuit, a creditoribuB conveniri ejus
non posse, sed non plus esse in promissione bonorum, quam quod superest
deducto aere alieno. Lex. 72. D. De jure dot. (XXIII. 3.) —- Holzschuher: I.
S. 621. - Glücke § 1230. XXV. S. 12.

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