Volltext: Band (Bd. 7 (1874))

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Literatur.

Institute, deren Darstellung im Civilrechte gar nicht entbehrt werden
kann, unter einem gemeinsamen Gesichtspunkte rechtfertigt sich nicht
nur aus der historischen Entwickelung, sondern entspricht auch dem
praktischen Bedürfnisse. Ich verbinde damit die Darstellung der
dinglichen Gewerbsrechte als „Monopolien" welche für
Bayern ihre Bedeutung noch nicht ganz verloren haben. Dem
III. Buche (Regalien und Monopolien") wird als viertes Buch
das Erbrecht*) folgen und damit die Darstellung — geschlossen
werden".
Soweit Roth über den zu erwartenden ausstehenden dritten und
„vorläufig" letzten Band des Werkes.
Was versteht nun zunächst Roth unter seinem . „B ay erischen Ci-
vi lrechte?" Eine direkte Antwort auf diese Frage, eine Definition
oder auch nur Charakterisirung haben wir im bisherigen Werke nicht
gefunden, und wie können nicht umhin zu glauben, es habe hierüber bei
dem Herrn Verfasser selbst nicht volle Klarheit obgewaltet. Man könnte
nämlich darunter ein gewisses ideales oder (wenn man einen bisher cp
und mißbrauchten Begriff anwenden will) wissenschaftliches Recht, ähnlich
dem „deutschen gemeinen Rechte" darunter verstehen, d. h. eine Zusam-
menstellung der in Bayern geltenden Hauptgrundsätze und Bestimmungen
über die einzelnen Rechtsmaterien, gleichviel ob sie aus dem fremden
Hauptbestandteile, dem römischen Rechte stammen, oder ob sie ihre
Keime in dem einheimischen Rechte, dem germanisch-deutschen gefunden
und sich in irgend welcher Gestalt in die bayerische Gegenwart herüber-
gerettet haben. Hiermit wäre unseres Erachtens von vornherein ein
„Recht" geschaffen, dessen praktische Anwendung in den einzelnen den
heutigen bayrischen Gerichten vorliegenden Rechtsfällen den erheblichsten
Bedenken unterliegen müßte. Es schiene sich nämlich auch im einzelnen
Falle dann immer noch um die Vorfrage zu handeln, ob dieses — allge-
meine bayerische Civilrecht denn wirklich zur Anwendung gebracht werden
kann, d h. ob nicht vermöge der so höchst zersplitterten bayerischen Ge-
setzes-„Statistik" (s. oben) hier ein Ausnahmsfall vorliege und eine spezielle
dem „allgemeinen bayerischen Civilrechte" derogirende gesetzliche oder ge-
wohnheitsrechtliche Bestimmung zur Anwendung zu bringen sei.
Oder man könnte das „bayerische Civilrecht" als eine Zusammen-
stellung und Nebeneinanderreihung aller solchen in Bayern noch heut
zu Tage geltenden Bestimmungen, geordnet nach den verschiedenen
Hauptmaterien, auffassen, so daß man in jedem einzelnen Falle in dem
„bayerischen Civilrechte" unschwer zu finden vermöchte, ob.in einem
betreffenden Bezirke diesbezüglich ein Spezial-Recht bestünde, und daß
man bei Bejahung dieser Frage das betreffende Gesetz, Statut, oder
Gewohnheits-Recht diplomatisch genau abgedruckt oder möglichst authen-
tisch konstatirt fände. Wir bemerken hierzu, daß das einzige wahrhaft
verdienstliche Unternehmen solcher Art leider aber nur für die rechts-
rheinisch-fränkischen und zwar nur mittelfränkischen Theile des König-
reiches Bayern, in den Jahren 1840 bis 1842 von dem weitbekannten
bayerischen Juristen Arnold, früheren Appellpräsidenten von Mittel-
franken (in Eichstädt), verfaßt worden ist. Wir meinen seine in jeder

°) Und das Obligatio nenrecht? Vgl. Vorrede zu Band I. S. VII. unten.

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