Full text: Volume (Bd. 7 (1874))

548

Literatur.

daß ihm die richtige Fixirung der Rechtsgewohnheit in den ohnehin nöthi*
gen Ehe- und Erbverträgen auch in Zukunft ebenso gelingen werde, wie
das schon in dem ersten Decennium geschehen ist. Diese unsere Auffas-
sung wird übrigens nach dem, was ich von Praktikern auf dem Gebiete
der Legislative wie der Rechtsanwendung in Erfahrung zu bringen ver-
mochte, allgemein getheilt, wogegen der neuerlich gemachte Vorschlag
Roth's welcher auf ein nun erst einzuleitendes Vorverfahren gerichtet
ist, allgemein als zu weit aussehend und zu complicirt betrachtet wird.
Wir beschränken uns in dieser Hinsicht auf die Konstatirung, daß Roth
zunächst auf eine Enquete, dann auf eine höchst allmälige Beschneidung der
Statuten und Anbahnung allgemeiner Bestimmungen zuerst für kleinere
dann größere Bezirke drängte, bis man endlich an die Nivellirung soll
gehen können. Nicht vergessen wollen wir hierbei auch zu konstatiren
daß Roth die Preußische Landesgesetzgebung im Allgemeinen
und in den verschiedensten Richtungen als Muster rühmt und daß er in
dankenswerther Weise und besonders zu Nutz und Frommen der Bayern eine
ganze Reihe von bayerischen Gesetzen der Neuzeit namhaft macht, wo das
vorangegangene preußische Gesetz mehr oder weniger buchstäblich als ein
bayerisches Gesetz neu aufgelegt worden ist. Solche Beispiele sind: das
Berggesetz von 1869, die Wassergesetze von 1852, ja schon in gewissem Maße
das Hypothekengesetz von 1822. Als Nachbildungen der preußischen Gesetze,
zum Theil nur durch die Preußische Gesetzgebung zur Anregung gebracht,
zählt Roth auf: das Gesetz von 1837 über die Verhütung ungleichförmiger
Erkenntnisse, die Gesetze über die Aufhebung der Zinsbeschänkungen und
der Schuldhaft, sowie die Gesetze über die privatrechtliche Stellung der
Erwerbsgesellschaften. Auf diese Weise ist also schon bisher nach aus-
drücklicher Anerkennung Roths auf sehr tief in den Verkehr eingreifenden
und bisher zum Theil von den verschiedenen Statuten in der verschieden-
sten Weise normirten Gebieten via facti bereits vor Aufrichtung des
Reiches eine gewisse mit Preußen und nach seinem Muster auch mit an-
deren deutschen Staaten hergestellte Theil-Kodifikation erreicht worden
und Roth erkennt es auch in dem neuen Schriftchen ebenso wie schon
in seinem ersten Theile des bayerischen Civilrechtes wiederholt als einen
Fortschritt an, wenn überhaupt, wenn auch nur bayerisch kodifizirt, d. h.
vollcodificirt wird, wenigstens beklagt er neuerlich noch lebhafter und
präciser als er es schon vorher gethan, daß Bayern gerade in der ver-
hängnißv ollsten Zeit, d. h. in der Zeit der großen Länderwerbungen seit
Beginn dieses Jahrhunderts das auch von ihm bisher beobachtete Unifi-
kations- und Kodifirationsverfahren auf einmal zum Schaden der Sache
effektiv verlassen und ausgegeben hat, wenn auch die Erwünschtheit einer
Kodifikation zeitweise nicht nur im Allgemeinen anerkannt wurde, sondern
sogar zur Einsetzung von bayerischen Kodisikationskommiffionen führte,
die freilich im Effekte auf Lieferung „schätzbaren Materials" beschränkt
blieben. Auch hat der Verfasser nur Worte der Anerkennung, daß andere
in ähnlicher Lage wie Bayern gekommene Länder, z. B. Württemberg
das einzig richtige entgegengesetzte Verfahren beobachtet und statt „Alles
beim Alten zu lassen" — kodifizirt, und dadurch (so fügen wir zum
Schluffe bei) dem Reiche für seine Kodifikationsarbeit vorgearbeitet
haben.
Indem wir uns dem Hauptwerke Roths (bayrisches Civilrecht) zu-
wenden, müssen wir vor Allem den Schatz von zum Theil ganz neuen

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