Full text: Volume (Bd. 7 (1874))

Wachtel: Zur Verbesserung der deutschen Aktien Gesetzgebung. 499
die Bilanz zur Prüfung und Beschlußfassung vorgelegt werden
soll, berufen ist/
Dieser Zusatz würde verhüten, daß der Vorstand der Aktiengesellschaft
der Generalversammlung mit der Bilanz gleichsam ins Gesicht springt
und dadurch bei der regelmäßig den Generalversammlungen kurz zu-
gemessenen Zeit eine ruhige, eingehende Prüfung der Bilanz von Seiten
der Aktionäre vor deren Beschlußfassung über dieselbe un-
möglich macht.
Auch Absatz II und III des Art. 239 halte ich für ungeeignet,
beabsichtigte Täuschungen hinsichtlich der Prüfung der Bilanz und Ent-
lastung des Vorstandes zu verhüten. Denn, wenn überhaupt den lei-
tenden Organen der Gesellschaft nicht jeder Ginfluß auf die Bestellung
der revidirenden und kontrolirenden Personen benommen ist, so ist eine
gewissenhafte, unparteiische Prüfung nicht gesichert. Sind doch die
Personen, denen die Aufsicht über die Geschäftsführung zusteht (Der-
waltungs- oder Aussichtsrath) durch ihre Anrechte auf Tantiemen
schon interesstrt genug, um unter Umständen auch eine falsche Bilanz
gutzuheißen.
Nach meiner Ansicht sollte das Gesetz eine dahingehende Bestimmung
treffen: ' »
„daß bei Legung der Rechnungen zur Entlastung des Vorstandes
eine bei der Geschäftsführung der Aktiengesellschaft unbetheiligte
Urkundsperson, (Notar, oder wo solche nicht eMiren, eine
Person von richterlicher Qualifikation) und ein Rechnungs-
verständiger zugezogen werden müssen/
Der Absatz III des Art. 239 aber wäre alsdann ganz zu streichen.
Diese von mir zur Erreichung größtmöglicher Publizität und Sicher-
heit aus dem Gebiete des Aktienwesens vorgeschlagenen Aenderungen
und bzw. Ergänzungen der bestehenden Aktien-Gesetzgebung würden
durch ihren Erfolg wirksamer sein als eine ganze Anzahl anderer, die
Thätigkeit und den Gewinn der Gründer in thesi restringirender Be-
stimmungen , wie solche in dem bereits mehrfach erwähnten Cirkulare
des preußischen Handelsministers vom 28. Mai d. Z. in Erwägung
genommen sind, welche aber praktisch weniger Erfolg haben würden.
Denn, wenn dem Publikum die Möglichkeit geboten wird, alle die
Aktiengesellschaften berührenden Verhältnisse kennen zu lernen, so kann
und wird es selbst leicht und sicher sich vor Schaden und Betrug
wahren können. Die Gesetzgebung aber hat nicht die Aufgabe und

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