Full text: Volume (Bd. 7 (1874))

im Beweisversahren des Civilprozesfes. 397
Einnahme des Augenscheines verwendeten Sachverständigen urtheilen
nicht allein, sie nehmen auch wahr; sie sind ja grade dazu ausersehen,
Beobachtungen zu machen, die sie vermöge ihrer besonderen Sachkurtde
anders und besser aussühren können, als der Richter. Andererseits
läßt sich von den selbstständig wahrnehmenden Sachverständigen schwer-
lich behaupten, daß sie nie urtheilen. In vielen Fällen sollen ihre
Wahrnehmungen lediglich eine Grundlage ihres Urtheiles werden; die
Sachverständigen sehen, um urtheilen zu können. Die Folge hiervon
ist, daß Urtheil und Wahrnehmung der Sachverständigen sich gegen-
seitig durchdringen und unterstützen. Sie können alsdann nicht reine
Zeugen sein, denn Gegenstand des Zeugnisses sind stets sinnliche Wahr-
nehmungen, nicht Urtheile. Wetzell sieht übrigens selbst ein, daß selbst-
ständig wahrnehmende Sachverständige als Gehülsen des Richters in
gewissen Fällen unentbehrlich sind. Nach seinem obigen Grundsätze
müßte er auch diese schlechtweg den eigentlichen (urtheilenden) Sach-
verständigen beigesellen.
Renaud vermeidet die Widersprüche der Wetzellschen Ausführung.
Gr unterscheidet zwischen Sachverständigen, welche Gehülsen des Richters
sind, und Sachverständigen, welche nur als ein — nicht von Amts-
wegen zu benutzendes — Beweismittel in Betracht kommen. Die
ersteren sind die lediglich urtheilenden Sachverständigen. Die letztere
Klaffe bilden diejenigen Sachverständigen, welche im Aufträge des
Richters Wahrnehmungen anstellen, auf Grund deren sie Depositionen
machen sollen.:>) Bon ihnen unterscheiden sich die sachverständigen
Zeugen, welche nicht, wie jene, zur Ausführung ihrer Wahrnehmungen
beauftragt worden sind, wohl aber, wie jene, auf Grund ihrer beson-
deren Sachkunde wahrgenommen haben. 10) Diese sind wirkliche Zeugen.
Inkonsequent ist auch Renaud. Auch er wird nicht behaupten
wollen, daß diejenigen Sachverständigen, welche der Richter bei der
Ginnahme des Augenscheines benutzt, Beweismittel in seinem Sinne
seien. Daß er die übrigen im Aufträge des Richters wahrnehmenden
Sachverständigen als Beweismittel bezeichnet, dafür hat er keinen
anderen Grund als den, daß auch die Zeugen Beweismittel sind.
Im Grunde kommt er also auf die von ihm (§. 113 Note 5)
bekämpfte Ansicht Wetzell's und Walthers (in der oben angeführten

Vgl. §. 113 Note 3 und Text zu derselben. '
,0) a. a. O. Note 2 und Text; §. 110 Note 7 und Text.

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