Full text: Volume (Bd. 7 (1874))

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Korn: Die Rechtsverhältnisse der Ehefrauen

Es wurden also in diesen beiden Punkten die Grundsätze des
römischen Rechtes vollständig umgekehrt und auch das magdeburgische
Weichbildrecht wurde wieder verlassen, denn dies war, wie oben gezeigt
ist, dahin gelangt, daß nur dasjenige Gut der Frau, welches in die
Gewere des Mannes gegeben worden war, seiner vormundschaftlichen
Verwaltung im Sinne des Sachsenspiegels unterworfen worden war,
und daß durchaus die Präsumtion galt, alles Gut der Frau sei Sonder-
gut und müsse so lange als solches betrachtet werden, bis eine aus-
drückliche U.ebergabe desselben an den Mann erwiesen werde.
Mit dem Grundsätze, daß die Frau Eigenthümerin an ihrem in
die Verwaltung des Mannes gekommenen Vermögen verbleibe, ver-
trug stch selbstverständlich das Veräußerungsverbot des tundus
dotalis, wie es Zustinian verschärft hatte, nicht mehr.
Schon im kanonischen Rechte war es wieder dahin eingeschränkt wor-
den, daß die Frau die Veräußerung nicht anfechten dürfe, wenn sie
dazu ihre Zustimmung gegeben und diese eidlich bekräftigt hatte. '^)
3nt usus modernus sah man auch hiervon ab. behalf sich damit,
daß es ja Paraphernalgut sei, um was es sich handle, und gestat-
tete den Verkauf der Liegenschaften der Frau, wenn nur
beide Eheleute darin gewilligt hatten.
In der Mark Brandenburg hat dies alles als Recht gegolten und
muß auch jetzt noch in der Hauptsache als bestehendes Recht anerkann
werden. So bestimmt vor der Konstitution von Kurfürst Joachim I.
von 1527 das altsächsische Recht als gemeines Recht der Mark aner-
kannt worden ist, ebenso unstreitig wurde es im Laufe des sechszehnten
Jahrhunderts, daß das römische Recht ausschließlich als subsidiäres
Recht anzusehen sei. Dabei fehlt es aber an einer landesherrlichen
Bestimmung, wodurch diese Aenderung eingeführt ist, und es ist noch
heute streitig, in welcher Weise sie bewirkt worden ist. 55) Die Bezug-
nahme aus die Kammergerichtsordnung von 1516 oder 1526 ist unzu-
treffend, denn diese Kammergerichtsordnung ist an dem Widerspruch der
brandenburgischen Bischöfe, denen der Entwurf zur gutachtlichen Aeuße-
rung vorgelegt worden ist, gescheitert und in Wirklichkeit niemals als
Gesetz publizirt worden. Das Richtige ist wohl, daß das römische
Recht im Wege der Gesetzgebung (Joachimica von 1527) nur in

54) Cap. 28. X. de jure jurando (2, 24) und Cap. 2 in IV. eod. (2, 1t).
55) Heydemann: Elemente der Zoachimischen Konstitution, S. 14.

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