Full text: Volume (Bd. 7 (1874))

nach dem Brandenburgischen Provinziaüechte.. 359
verkennen, daß hierin eine Abweichung von dem Grund-
sätze des freien Eigenthumes der Frau und eine Hin-
neigung zum Dotalverhältnisse liegt, denn sonst müßte der
Mann über die Verwendung der Zinsen Rechnung legen und dürfte
sie nicht ohne weiteres für sich und die Frau verwenden.
Zn den Pandekten und dem Eodex ist nicht ausdrücklich erörtert,
ob eine Präsumtion für Dotal- oder Paraphernalqualität bei dem
Vermögen der Frau obwalte. Diese Frage ist daher von Alters her
kontrovers.46) Das Richtige ist wohl, was Haste in folgenden Sätzen
zusammenfaßt: „Die Bestellung einer Dos kann niemals ohne einen
speziellen Akt der Uebertragung und wegen dieses, in Ermangelung
notwendiger Formeln, doch nur dann angenommen werden, wenn ent-
weder die Absicht, eine Dos hervorzubringen, deutlich ausgesprochen
worden ist oder aus den in eonereto vorhandenen Umständen die
Gewißheit oder überwiegende Wahrscheinlichkeit einer solchen Absicht
deutlich hervorgeht. Zm Uebrigen bleibt das Vermögen der Frau von
dem Vermögen ihres Mannes getrennt und es bedarf keinesweges
eines besondern Vorbehaltes, damit es nicht diesem Vermögen einver-
leibt oder dotal werde." ")
Endlich ist nur noch die donatio propter nuptias zu erwähnen,
da sie einen Bestandtheil des römischen Güterrechtes der Eheleute
bildete, doch bedarf es keiner näheren Betrachtung derselben, da sie in
Deutschland nie Brauch gewesen ist und die ihr etwa ähnelnden deutsch-
rechtlichen Institute, wie Brautgeschenke, Morgengabe und Witthum
eine selbstständige Entwickelung erfahren haben. l8)
Zn diesem Zustande befand sich das römische Recht, als
es zur Rezeption in Deutschland gelangte. Seine alten Grund-
sätze waren zum Theil erschüttert, es war in Schwankung gerathen
und erschien durchaus unfertig, da die alten .Grenzen verwischt und
neue noch nicht gefunden waren. Zn Deutschland fiel es auf einen

") Stark: ve bonis uxoris ex.juris romani praesumtione non dotalibus
sed paraphernalibus (Göttingen 1798). — Bechmann in Becker s Jahrbuch, d. gem.
deutsch. Rechtes, Bd Y. S. 271-288. — Holzschuher: Theorie und Casuistik, §. 58
Nr. 12 S. 627.
47) Hasse, a. a. O., §. 130 I. S. 449.
48>i Arndt's Pandekten §. 413. - Keller, desgl. §. 406. - Glück, §. 1242-43
(B. 25). - Göschen, §, 698.' - Puchta, §. 424. - Haubold: Sächsisches Privat-
recht §. 78. .

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