Full text: Volume (Bd. 7 (1874))

552 - Korm Die Rechtsverhältnisse der Ehefrauen
Hälfte des gemeinsamen Vermögens; wenn Eltern Lei Lebzeiten
ihren.Kindern eine eigene Wirthschaft oder eine Ausstattung
gegeben haben, können sie über ihr Vermögen von Todes wegen
frei verfügen, ohne daß die abgeschichteten Kinder dagegen etwas
einwenden dürfen; sonst bekommen die Kinder die Hälfte des
gemeinsamen Vermögens; heirathet ein Wittwer oder eine Wittwe
wieder und bekommen sie aus dieser Ehe Kinder, so beerben die
Kinder erster Ehe sie nicht, vielmehr fällt Alles den zweiten Ehe-
gatten und den mit ihm erzeugten Kindern zu; nur wenn die
zweite Ehe kinderlos ist, erhalten die Kinder erster Ehe die Hälfte
nach dem Tode ihres zu einer zweiten Che geschrittenen Vaters
oder ihrer wieder verheiratheten Mutter."25)
* Allein aus allen diesen Bestimmungen über das Erbrecht der
Eheleute kann noch nicht ein Schluß auf ihre Güterverhältnisse
unter Lebenden gemacht werden. Solche Schlüsse müsien bei Fragen
des älteren deutschen Privatrechtes überhaupt ausgeschlossen bleiben,
da dieses seine Ausbildung nicht nach festen Systemen gewonnen hat.
Es tritt aber hinzu, daß jeder weitere Zusammenhang der Mark
Brandenburg mit den Gegenden, aus welchen die Halbtheilung zu ihr
gekommen ist, unterbrochen worden ist und die Erinnerung daran sehr
schnell verloren gegangen ist, nachdem die deutsche Kolonisation in der
Mark einmal bewirkt war. Es herrschte nur die Ansicht, daß man
sächsisches Recht habe. Noch im Jahre 1440 hat der Markgraf Friedrich
einen Richter in Salzwedel mit der Verpsiichtung angestellt, nach
gemeinem Sachsen- und beschriebenen Rechte zu richten
und richten zu lassen.^) Unter Sachsenrecht verstand man den
Sachsenspiegel und das magdeburgische Weichbildrecht. Die ganze
Glosse der altmärkischen Juristen von Buch (Vater und Sohn) zum
Sachsenspiegel und das Stadtbuch von Berlin vom Jahre 1397,
Si pater et mater omnes pueros suos legitime locaverunt, antequam
moriantur, et postmodum unum ipsorum patrem vel matrem mori contigerit,
pater vel mater superstes de bonis suis ordinabit et faciet, quae voluerit,
pueris suis nolentibus immo non valentibus prohibere. Posito etiam, quod
pater pueros habent de uxore legitima secundo ducta, hi pueri post mortem
patris eorum ipsius hereditatem obtinebunt, pueris suis prioribus in ea here-
ditate partem non habentibus sed exclusis. — Heydemann: Elemente, S. 106;
vergl. dort auch die weitere Entwickelung dieses Stadtrechtes durch die Privilegien von
1278, 1527 und 1702.
26) v. Raumer, Codex diplomaticus Brandenburg. I., S. 145.

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