Full text: Volume (Bd. 7 (1874))

nach dem Brandenburgischen Provinzialrechte.

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über dieses Gut hatte, vielmehr konnten sie sich einen beliebigen andern
Vorsprecher wählen. 10) Sie konnten in stehender Ehe über ihr Sonder-
gut mit ihren Männern Verträge abschließen. ") Die Grundstücke der
Frau, auch wenn sie nicht ihr Sondergut waren, sondern dem Manne
zu seiner vormundschaftlichen Gewere bestellt waren, konnte der Mann
ohne ihren Beitritt nicht verpfänden oder veräußern. ia)
In der brandenburgischen Stadt Stendal hat dieses Recht unver-
ändert gegolten. Diese Stadt ist bei ihrer Stiftung im Jahre 1153
mit magdeburgischem Rechte belehnt worden und dies ist ihr fort und
fort, zuletzt noch im Jahre 1345, bestätigt worden. ia) Der Schössen-
stuhl zu Magdeburg ist der Oberhof von Stendal geblieben und zahl-
reiche Urtheile liegen uns vor, nach denen keine Abweisung des
stendalschen Rechtes vom magdeburgischen Rechte zu erkennen ist.
- Anders verhielt es sich mit den übrigen Städten der Mark Bran-
denburg. Dw Masse der deutschen Kolonisten, mit denen Stadt und
Land der Mark im zwölften und dreizehnten Jahrhunderte besetzt
wurde, kam nicht sowohl aus dem Stifte Magdeburg, der Altmark und
der Gegend des Harzes, als aus Westphalen und von dem Niederrhein.
Von hier brachten sie die Zweiteilung des Nachlasses nach dem Tode
eines Ehegatten als ihr Recht mit und gaben sie in dem neuen Lande
nicht aus. 15) Andererseits betrachtete man es zur Heranziehung von Ein-
wanderern als Notwendigkeit, die neuen Städte mit anlockenden Frei-
heiten zu versehen, und nichts schien in dieser Beziehung wirksamer,
als daß die Rechte der berühmten und reichen Stadt Magdeburg den
neuen Ansiedlern zugestchert wurden. So ist es gekommen, daß den
neuen Städten in der Mark die Rechte der Stadt Magdeburg ver-
liehen, zugleich aber den Ansiedlern nachgelassen worden ist, ihr frü-
heres, davon abweichendes Erbrecht beizubehatten. Zn der Stiftungs-
urkunde der Stadt Prenzlau, gegeben zu Stettin den 6. Januar 1235,
ist dies in einfachen Worten ausgesprochen. lö) Für Wittstock ist in
10) Martitz, a. a. O. S.309.
u) Martitz, a. a. O. S. 261.
r2) Martitz, a. a. O. S. 142.
13) Heydemann: Die Elemente der Joachimischen Konstitution (Berlin 1841) S. 86.
Der Verfasser irrt aber darin, daß die Halbtheilung neben Heergewäte und Rade in
Stendal gegolten habe.
H) Behrend: Ein stendaler Urtheilsbuch aus d. 14ten Jahrhundert (Berlin 1868).
lö) Heydemann, a. a. O. S. 165.
'b) Oivitas haec eadem debet frui libertate, quam habet civitas mag-de-

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