Full text: Volume (Bd. 7 (1874))

Literatur.

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das eine oder andere dieser Rechtsverhältnisse dem Inhaber der Juris-
diktion auf, dafür einen judex oder mehrere arbitri zu bestellen" (S. 57).
Dies Zeigt sich Z. B. bei allen Verbalkontrakten, die nicht auf römische
Bürger beschränkt waren, wie ^ B. der Form . fide promitto. Während
die sponsio unter der lex stand, führt die fidepromissio zunächst nur zu
einem jurgium. Es ergingen indes; eine Anzahl leges, welche dieselbe
ausdrücklich für klagbar erklärten. Diese leges wiesen den Magistrat an,
bei Streitigkeiten aus solchen Geschäften, vermöge seiner jurisdictio,
einen judex zu bestellen. Von nun an konnten also derartige Geschäfte
durch 1. a. per j. post, verfolgt werden. Aehnlich ist nach dem Verfasser
der Entwickelungsgang bei den durch einen arbiter entschiedenen Verhält-
nissen: hierzu seien die Konsensualkontrakte zu rechnen, über deren Alter-
interessante Aufschlüsse gegeben werden. Der Verfasser entscheidet sich
dahin, daß dieselben, wenigstens Kauf und Miethe, schon zur Zeit des
Plautus und noch früher zur Zeit des ersten Systematikers, Sextus
Aelius (200 v. Ehr.), als klagbar vorausgesetzt werden. Dieser Theil
der Karlowa'schen Schrift ist ein willkommener Beitrag zur Lösung einer
die Geschichte des Obligationenrechtes betreffenden hochwichtigen Frage. —
Was die legis actio per manus injectionem betrifft, so ist der Verfasser
der Ansicht, daß der Fall des durch legis actio sacramento condemnatus
als Prototyp der übrigen Anwendungsfälle gegolten und daß die zahl-
reichen Gesetze, welche das Anwendungsgebiet dieser legis actio erweiterten,
die bezüglichen Ansprüche immer unter den Gesichtspunkt der Damnation
gestellt haben. Von besonderem Interesse ist dabei die Untersuchung über
den Inhalt der lex Marcia, die den Verfasser zu dem Resultate'führt,
daß ihre Bestimmungen nicht auf fenus, sondern auf die usurae gehen.
„Beim fenus wird die Zinse blos als ein Theil vom Kapital gedacht;
fenus bedeutet das produktive Kapital selbst, das Zinsgeschaft und die
Zinsen. Dieses unter der Herrschaft der lex stehende verzinsliche Darlehn
wurde in der Form des nexum gegeben. Das nur unter der Herrschaft
des jus stehende Darlehn des kleinen Verkehres war ursprünglich unver-
zinslich, der aufblühende Handel und der Geldverkehr mit den Fremden
bringt eine neue Art der Zinsen, die usura, hervor." Das Verfahren
der manus injectio trägt nach Karlowa durchweg einen pönalen Charakter.
Damit stehe im Zusammenhänge, daß das Vermögen des von dem Gläu-
biger getödteten oder verkauften Schuldners dem Gläubiger anheimgefallen
sei, da dasselbe durch Untergang des caput des Schuldners herrenlos
geworden. Unter partes secare wird eine Theilung in Person und
Vermögen verstanden. Die Funktion des vindex faßt Karlowa mit
Unger nicht als prozessualische Vertretung auf: vielmehr erkläre sie sich
aus dem altrömischen Grundsätze, daß man nicht in einer Person Objekt
und Subjekt des Rechtsstreites sein kann. Dagegen theilt er nicht
Unger's Ansicht, daß der nun verhandelte Prozeß mit dem vindex eine
sacramenti actio in rem über das dem Gläubiger an der Person des
Schuldners zustehende jus gewesen sei: ohne freilich über den Fortgang
des Verfahrens zu einem irgendwie sicheren Ergebnisse zu kommen.
Endlich begegnen wir dem Gegensätze zwischen lex und jus, lis und jur-
gium auch auf diesem Gebiete. Denn nach dem Verfasser war nur gegen
den condemnatus, d. i. gegen den in einer lis verurtheilten Schuldner,
die legis actio das geeignete ExekutionSmittel. Wenn dagegen der Ma-
gistrat vermöge seiner jurisdictio oder ein von dem jus dicens bestellter

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