Full text: Volume (Bd. 7 (1874))

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Literatur.

andere Leistung aus der blos privatrechtlichen Sphäre in die publiciftische
erhoben werden, und daß demzufolge das so erworbene Recht energischer
und mit höherer Gewähr ausgerüstet ist. So sei von den Geschäften
per aes et libram, was Zunächst den Kauf anlangt, nur der Erwerb für
öffentlich zugewogenes aes (mancipatio) unter die Garantie der lex
gestellt, und nur ein solcher Kauf Erwerbsgrund des dominium legitimum
gewesen. Dies setzt allerdings voraus, daß man sich Zu der Jhering'schen
These bekennt, wonach ursprünglich nur die sogenannten re8 mancipi im
rechten Eigenthum gewesen sind. Der Verfasser adoptirt denn auch die-
selbe, indem er die res mancipi Zur familia (Hauseigenthum) rechnet und
den letzteren Begriff mit legitimum dominium identifizirt. Mir scheint
diese Zurechnung der res mancipi zur familia bedenklich; wenigstens wenn
man sie allein damit begründen will, daß die jumenta, also res mancipi,
an den feriae der familia Th eil nehmen: denn dies ist in gleichem Maße,
bei anderen Thieren der Fall, die nicht zu den res mancipi gehören, wie
beim Hunde. Stand nun der Erwerb von res mancipi unter dem Schutze
der lex und übertrug ausschließlich dominium legitimum, so waren darum
die res nec mancipi nicht gänzlich rechtlos. Jndeß sie wurden nur durch
das jus geschützt und ihr Prozeß (per sponsionem) war nur ein jurgium.
In ähnlicher Weise hatten sich nexum und mutuum gegenübergestanden, er-
steres unter dem Schutze der lex, letzteres des jus.
Dieser Sachverhalt mußte indeß mit Einführung der Münze eine
wesentliche Aenderung erfahren: denn mit dem Aufkommen der pecunia
signata forma publica verlor das gestum per aes et libram, das bisher
durch das Zuwägen des aes, als eines Surrogates der Münze, eine
Reihe von Geschäften vor anderen Akten ausgezeichnet hatte, seine ursprüng-
liche Bestimmung. Wann zuerst Geld geprägt wurde, ist bekanntlich
bestritten, indem Mommsen, ein non levis auctor, wie Horaz vom Pytha-
goras sagt, geneigt ist, die Einführung des geprägten Geldes als Bestand-
theil der Deeemviralgesetzgebung aufzufassen; ich theile indeß die Ansicht
Karlowa's, daß die Annahme eines so späten Ursprunges mit den Quellen
unvereinbar ist: nicht allein der Schluß aus der angeblichen Thatsache,
daß man im Jahre 300 resp. 302 p. u. c. noch Viehbußen festgesetzt
und daher das Geld nicht gekannt habe, ist gewagt, sondern auch, m. E.,
diese Thatsache irrig, wie gelegentlich nachgewiesen werden wird. Mit
dem Aufkommen des Geldes wurden nun die Geschäfte per aes et libram
zu Scheingeschäften: denn von einer wirklichen Zuwägung des aes konnte
nun nicht mehr die Rede sein. Die Maneipation verliert ihren obli-
gatorischen Charakter als Kaufgeschäft und erhält sich als Form der Eigen-
thumsübertragung der res mancipi. Die Geschäfte au res nec mancipi
werden nun auch Kaufgeschäfte, dasie gegen pecunia signata forma publica
populi Romani übertragen werden, während sie früher nur Taufchge-
schäfte waren, und man schrieb dem Uebergang der Sache dieselbe Wir-
kung zu, die man früher nur für die res mancipi anerkannt hatte;
seitdem wandte man auch bei jenen das Legisaktionenverfahren an.
Die sogenannte legis actio per judicis arbitri ve postulationem bringt
der Verfasser mit den jurgia in besondere Verbindung. Unter der Herr-
schaft des jus standen nämlich sowohl Rechtsverhältnisse strikter Natur,
als auch solche, deren Gestalt ein incertum ist. „Während sich die
Satzung ursprünglich, mit diesen Verhältnissen gar nicht befaßt hatte,
stellt sie sich bald hie ünd da über die jurisdictio, — sie giebt in Bezug auf

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