Full text: Volume (Bd. 7 (1874))

Aufhebungsgrund der väterlichen Gewalt. 301
des Verhältnisses erkannt haben und der Lehre von der Dauer der
patria potestas mit mehr oder weniger Klarheit und Energie entgegen
getreten sind. 18) Zu erwähnen ist auch, daß in Oesterreich 19), Eng-
land 20) und Frankreich s) die elterlichen Rechte spätestens mit der
Großjährigkeit des Kindes aufhören.
Die angeführten Gründe gelten in gleicher Weise für Söhne wie
für Töchter, wenn auch die Zahl der Haustöchter, welche wirthschaftlich
selbstständig sind, hinter der Zahl der selbstständigen Söhne sehr zurück-
tritt. Eine ungleiche Behandlung wurde nicht nur den Bedürfnissen
des Lebens, sondern auch dem allgemeinen Grundsatz widerstreiten, daß
eine Verschiedenheit der beiden Geschlechter im Privatrechte z'u vermei-
den ist 22). Der Großjährigkeitserklärung mußte besonders Erwähnung
geschehen, da sie nach dem bisherigen Rechte die Entlastung aus der
väterlichen Gewalt nicht zur Folge hatte 23).
Zwar nicht der Schutz, der den wohlerworbenen Rechten zukommt,

18) Es genügt hier der Hinweis auf die Anmerkung 1 und mag nur noch bemerkt
werden, daß sich selbst zur Zeit der Gesetz-Revisoren eine Stimme für die hier vertre-
tene Ansicht erhoben hat. Der Stadtgerichts-Director Beckhaus zu Brakel wollte nicht
nur das Ende der väterlichen Gewalt mit der Großiährigkeit eintreten lassen, sondern
erwartete auch von einer solchen Neuerung „die Veredelung des Familiengeistes".
(Ges.-Rev., Pensum XV. Motive S. 115).
is) G.-B. §. 172.
20) William Black3tone, Commentaries on the Law of England (ed. 2
Oxford 1766) Book I. ch. 16 sub I. 2 (p. 453): „Ä father bas no other po-
wer over his sons estate, than as bis trustee or guardian; for thougli he
may receire the profits during the child’s minority, yet he must account for
them, when he comes of age . . . The legal power of a father .... over
the persons of bis children ceases of the age of twenty one for; tliey are
then enfranchised by arriving at years of discretion, or that point, which
the law has established, . . . when the empire of the father or other guar-
dian gives place to the empire of reason“.
21) Code civil art. 372 und 384:
„XI reste sous leur autorite jusqu L sa majorite ou son emancipation“.
„La jouissance des biens de leurs enfants jusqu k Tage de dix-huit ans
accomplis“
22) Förster, Theorie und Praxis, Bd. 3 §. 224 Anm. 9 und die dort Citirten.
In Rom stand die Haustochter bezüglich der Fähigkeit, Verbindlichkeiten zu übernehmen,
dem Haussohne gleich (v. Savigny, System, Bd. 3 §. 67 und Beilage V.).
23) Entscheidungen des Obertribuuales vom 3. Juni 1847 und 23. November
1853, Bd. 18 S. 289 und Bd. 24 S. 124, sowie Gruchot's Beiträge, Jahrgang
1871 Bd. 15 S. 39 u. folg.

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