Full text: Volume (Bd. 7 (1874))

290 . Stiller: Werthantheite.
zu unterscheiden von der Erfüllung der aus ihnen entspringenden
Ansprüche. Die Regeln für diese Erfüllung fallen mit den Regeln
über die Erfüllung der Ansprüche mts den übrigen Gebieten des Ver-
mögensrechtes zusammen. Wenn eine Zahlung zu leisten ist, so ist e§
hinsichtlich der Erfüllung dieser Verbindlichkeit gleichgültig, ob derselben
ein dingliches oder persönliches Rechtsverhältniß oder ein Erbrecht zu
Grunde lag. Zahlung. Angabe an Zahlungsstatt, gerichtliche Hinter-
legung, Gegenrechnung, Erlaß sind Arten der Erfüllung für Zahlungs-
verbindlichkeiten aus irgend welchem Grunde. Anders verhält es sich
mit der Aufhebung der Obligation. Wie für die Begründung derselben
der Vertrag in erster Linie steht, so ist, sei es vor oder nach Erfül-
lung der daraus entspringenden Ansprüche, die beiderseitige Einwilli-
gung, also wieder der Vertrag wenigstens die unzweideutigste Art der
Aufhebung. Die übrigen Arten der Aufhebung würden eine zu ein-
gehende Untersuchung nöthig machen, um sie hier zu erörtern. .
Die Darstellung des Obligationenrechtes, wie sie sich in den Lehr- ,
büchern findet, ist eine von der vorgetragenen wesentlich verschiedene.
Anstatt objektiv die Obligationen oder Schuldverbände, wie wir sie
nennen, vorzutragen, werden subjektiv die Ansprüche daraus, welche
man Forderungen benennt, dargestellt. Es hat dies zunächst eine Un-
klarheit für das System des Obligationenrechtes zur Folge. Man wolle
nur beachten, wie verschieden das System aufgebaut wird, und wie
verschiedene Dinge man als den Gegenstand, als den Inhalt, als die
Ausübung und als Arten der Aushebung der Obligationen bezeichnet.
Sodann faßt man den Begriff der Forderungen viel zu weit. Ver-
leitet durch die Theorie der römischen Juristen von den dinglichen
Rechten ist man geneigt, alle Ansprüche einer Person an die andere
als Ausflüfle von Obligationen anzusehen. Man bezeichnet als solche
z. B. die Ansprüche aus dem gemeinschaftlichen Eigenthum, den An-
spruch auf Bestellung einer nothwendigen Servitut, die Ansprüche aus
Reallasten, den Anspruch auf Erbtheilung, aus Herausgabe eines Ver-
mächtnisses (Förster, Privatrecht §. 155). Man kommt aus diesem
Wege folgerecht dazu, sämmtliche Gebiete des Vermögensrechtes als
Grundlage von Obligationen anzusehen. Denn aus allen entstehen
Ansprüche, und erst durch die Erhebung solcher Ansprüche kommen die
Rechte für die Rechtsprechung zur Geltung.
Wir haben hier vorausgesetzt, daß mit dem Ausdruck Forderung
jeder Anspruch aus einer Obligation zu bezeichnen sei. Technisch pflegt

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