Full text: Volume (Bd. 7 (1874))

Stüter: Werthantheile.

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Sie ist ein einfaches Recht, während die Hypothek ein zusammen'
gesetztes ist. Es ist nun wohl kein richtiges Verfahren, die Erklärung
der Natur des einfachen Rechtes von dem zusammengesetzten zu ent-
nehmen. Ersteres muß aus sich selbst erklärt werden; dann wird man
umgefcljrt auch eine Erklärung für letzteres finden.
Vähr meint zwar augenscheinlich , die Bedeutung des dinglichen
Anspruches bei der Hypothek sei klar; und wenn das der Fall wäre,
würde man daraus eine Erklärung für die Grundschuld gewinnen
können. Er sagt von der bisherigen Hypothek (S. 97): „Veräußert
der persönliche Schuldner das von ihm verpfändete Gut, oder hat von
vorn herein ein Dritter für die Schuld eines Andern eine Hypothek
bestellt, so haften dem Gläubiger zwei Schuldner ganz nach Art der
60iT6i debendi, der persönliche Schuldner, und der Besitzer des ver-
pfändeten Gutes als dinglicher Schuldner, jener mit seinem gesanunten
Vermögen, dieser mit der Hypothek. (Für die Hypothek des gemeinen
Rechtes dürste dies zwar nicht richtig sein, wohl aber für die des preu-
ßischen Rechtes.) Nun galt als bisheriger Grundsatz des Rechtes, daß
die dingliche Schuld immer nur eingegangen werden könne in Ver-
bindung mit einer persönlichen Schuld. Für die Aufrechthaltnng dieses
Abhängigkeitsverhältnisses besteht aber nicht die geringste innere Noth
Wendigkeit, und um den Hypothekenverkehr völlig frei zu machen, er-
scheint ein Aufgeben desselben zweckmäßig. Die Hypothek, welche bis-
her nur als Bürgin für eine neben ihr bestehende Schuld zugelassen
wurde, soll auch als Selbstschuldnerin eintreten können. So gut wie
sich in dem soeben angeführten Falle die dingliche Schuld in der Per-
son des dritten Besitzers verselbstständigt, ebensogut kann sie auch von
vorn herein selbstständig hingestellt werden. In der Natur der Hypo-
thekarischen Verpflichtung wird dadurch nicht das Geringste geändert."
Vähr meint, die Hypothek bleibe Hypothek, auch wenn sie nicht
zur Sicherheit für eine persönliche Forderung dienen soll, und er sucht
nach einer andern zu sichernden Schuld. Setzen wir für hypothekari-
sche Verpflichtung allgemeiner dingliche Belastung, so sind wir mit dem
Schlußsatz einverstanden. Konstruirt man ein Recht, welches von den
beiden Bestandtheilen einer Hypothekenforderung, der persönlichen For-
derung und der dinglichen Berechtigung, nur-den letztern enthält, so
hat ein solches Recht dieselbe Natur, wie die dingliche Berechtigung
in der. Hypothek. Letztere Berechtigung unterscheidet sich von jenem
Recht dadurch, daß sie von einer Forderung abhängig ist. Aber ab-

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