Full text: Volume (Bd. 3 (1836))

Vom Be-
sitze über-
haupt und
seinen ver-
schiedenen
Arten.

116 Besitz. Erste Abtheil. Dritter Abschn. §§. 1. 2.
4- 1. Wer eine Sache in seiner Gewalt hat, heißt
überhaupt der Besitzer derselben,
v. 1. zu §. 1. Da der Besitz sich über körperliche und um
körperliche, bewegliche und unbewegliche Sachen, über
Standes-, Eigenthumsrechte und Dienstbarkeiten, auch
Personalforderungen erstreckt, so finden sich Schwierig-
keiten, den Besitz so allgemein zu erklären, daß die Er-
klärung alle diese Besitzarten unter sich begreift. Wenn
der hier vom Besitze gegebene Begriff gerechtfertiget wer-
den soll, so muß das Wort „Gewalt" in einer unge-
wöhnlich weiten Ausdehnung genommen werden, da es
nur eigentlich von beweglichen Sachen und von Sachen,
worüber Eigenthumsrechte ausgeübt werden können, ge-
sagt werden kann, daß solche sich in unserer Gewalt be-
finden, wie denn auch §. 79. bemerkt worden '), daß der
Besitz der Rechte, die mit einer Sache verbunden sind,
durch die Ausübung begründet werde.
Der Besitz, ün allgemeinen Verstände, ist die Ausübung
eines Rechtes, eine interimistische Legitimation zu einer
Sache, so wie die Verjährung eine vollständige Legiti-
mation zur Sache ist, die zugleich die Stelle des Titels
vertritt, und wodurch das Recht außer Zweifel gestellt
wird. Der Besitz eines Standes ist die Ausübung der
Rechte, die mit einem Stande verbunden sind; der Be-
sitz einer Sache ist die Ausübung der Eigenrhums- und
anderer Sachenrechte; der Besitz einer Gerechtigkeit ist
der Genuß und die Ausübung der Rechte, die einem
an der Sache zustehen.
4. 2. Wer ohne allen rechtlichen Grund besitzt, wird
ein bloßer Inhaber genannt,
v. T. zu §. 2. Ein bloßer Znhaber ist eigentlich nur pos-
805801- nai uralte, z. B. ein Verwalter, Pächter u. s. f.
Da diese Personen, im Verstände Rechtens, diese Sachen
nicht besitzen, so kann man nicht sagen, daß sie die
Sache ohne allen rechtlichen Grund besitzen.
J) ?

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