Full text: Volume (Bd. 6 (1872))

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NechtssprÜche.

Lehrjahren einen entsprechenden Ersatz für die zuvor (im vorl. Fall bereits
über Jahresfrist) in erhöhetem Grade anfgewendete Mühe der Unterweisung
und Ueberwachung gewähren und der Absicht der Kontrahenten gemäß ge-
währen sollen."
Hiernach ist es eine zum Schadensersatz verpflichtende Vertragsverletzung,
wenn der Vater des Lehrlings seinen Sohn vor Beendigung des Lehrver-
trages aus dem Geschäft des Prinzipals entnimmt. Daß ein Schaden ent-
standen sei, wird als festgestellt gelten können, sofern nicht der besondere
Sachverhalt eine Ausnahme macht. Gegenstand des Schadens ist insbeson-
dere der Aufwand, der erforderlich ist, um einen Stellvertreter des abgegan-
geuen Lehrlings zu beschaffen — also z. B. das angemessene Salair für
einen Kommis. Der Einwand, daß der Prinzipal durch die Dienste des
Kommis einen größeren Nutzen erlangt habe, als er aus der Fortsetzung der
Dienste des Lehrlings gezogen haben würde, ist nicht durchgreifend, wenn
nicht zugleich dargethan wird, daß der Prinzipal den Stellvertreter in min-
der kostspieliger Weise hätte beschaffen tonnen, mithin bei Anwendung ge-
höriger Sorgfalt der entstandene Schaden sich gemindert haben würde. —
Ist die Angemessenheit des SalairS außer Zweifel, so ist zur Begründung
des Ersatzanspruches die thatfächliche Berichtigung nicht erforderlich. (26. Sep-
tember 1870. M. I. 6; St. I. 5; C. I. 32.)
Haftung des Prinzipals für das Verschulden seiner Gehülfen.
33. Die Instanzrichter gehen davon aus, daß wer eine Herstellung
oder eine Arbeit übernehme, auch für das Verschulden seiner Gehülfen ein-
zustehen habe, sofern dasselbe in Ausführung der den Gegenstand des Ver-
trages bildenden Arbeit eintrete. Letztere Voraussetzung ist im vorliegenden
Fall nicht für zutreffend erachtet worden, weil die beschädigende Handlung
des vom Bekt. behufs Aufstellung und Instandsetzung einer Dampfmaschine
entsendeten Monteurs nicht innerhalb seiner instruktionsmäßigen Thätigkeit
gelegen habe und nicht an dem vom Bekl. übernommenen Werk, sondern an
andern Objekten (einem mit der Dampfmaschine in Verbindung stehenden
Holzschleifwerk) begangen worden sei. — Das Oberhandelsgericht hat die
„gemeinrechtlich sehr bestrittene Pr.inzipienfrage" ebenso wie die dem Prinzip
von den Vorderrichtern beigefügte Limitation unerörtert gelassen. Gemiß-
billigt wird aber die Anwendung, welche die Vorderrichter von dieser Limi-
tation machen. Angenommen, daß der Monteur Gehülfe des Bekl. war,
„angenommen ferner, daß Bekl. für den in Ausführung der übernommenen
Arbeit von seinem Gehülfen verschuldeten-Schaden schlechthin einzustehen hatte,
so war die ganze Thätigkeit des Monteurs, welche sich auf die Ingangsetzung
der Maschine bezog, als in dem Aufträge liegend vom Bekl. zu vertreten,
gleichviel, ob die Thätigkeit gerade an der Maschine oder an irgend einer
andern Sache, hier dem Holzschleifwerk des Klägers, stattfand, und ohne
Unterschied, ob dadurch die in Gang zu setzende Dampfmaschine oder das
mit der Dampfmaschine zum Zwecke der Ingangsetzung in Verbindung ge-
brachte Räderwerk zerbrochen worden ist". (27. Januar 71. LI. I. 73;
St. II. 9; 6. I. 124.)

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