Full text: Volume (Bd. 6 (1872))

616 Geßner: Das bayerische Notariat.
oder sechs Notare sich befinden, wenn nur — wie es auch der Fall
war, — die Geschäfte rasch und gründlich erledigt werden.
Ferner machte das Justizministerium den Notaren zur besonderen
Pflicht, bei Verlautbarung von Verträgen über Grundbesitzungen und
bei Errichtung von Hypothekenbriefen, wenn irgend möglich, von den
Hypothekenbüchern Einsicht zu nehmen, von den Einträgen in solchen
den Betheiligten Mittheilung zu machen und dies in der Notariatsur-
kunde zu konstatiren.
Seitens der Gerichte wurde den in der Presse laut gewordenen
Klagen über das Notariat dadurch Abhülfe zu gewähren gesucht, daß
die Disziplinarstrafbestimmungen auf das Strengste gehandhabt wurden.
Namentlich erfuhren diese Bestimmungen Seitens des obersten Gerichts-
hofes eine Auslegung, die an Härte streifte.
Und gleichwohl verstummten die Klagen über das Notariat in der
Presse sowohl als bei einzelnen Landrathsverhandlungen nicht, bis ihnen
in ersterer wieder entgegengehalten wurde, daß diese Klagen meistens
von Personen ausgingen, die dem Institute ihren Zorn deshalb zuwen-
deten, weil dessen Einführung für sie eine Einbuße an ihrer früheren
amtlichen Autorität oder materielle Nachtheile zur Folge hatte oder weil
nicht sie, sondern Andere es seien, welche die Notariatsgebühren perzi-
pirten, und bis endlich 1867 der Justizminister und hervorragende Ab-
geordnete bei einer Landtagssitzung auf das Bestimmteste erklärten, daß
das Notariat die in solches gesetzten Hoffnungen erfülle, die Notare
zum Theil mit Auszeichnung die ihnen gewordene Aufgabe lösen und
daß, wenn Schäden und Mängel gleichwohl zu Tage träten, daran nicht
das Notariat, sondern die Gesetzgebung, die frühere und zum Theil noch
die jetzige, Schuld trage.

§. 4.
Um nun den Lesern dieser Zeitschrift noch einen Begriff von den
Wirkungen des Notariats-Gesetzes zu geben, und ein Urtheil über den Werth
des Notariats-Institutes zu ermöglichen, dürften einige Mittheilungen
über die früheren Verhältnisse und den dermaligen Zustand am
Platze sein.
Vor Einführung der Gerichts-Organisation, der Trennung der
Administration von der Justiz, lag die Verwaltung, die streitige und
freiwillige Gerichtsbarkeit und Strafpolizei in den Händen der Stadt-
und Landgerichte. Die Sprengel dieser Landgerichte zählten durchschnitt-
lich etwa 15000 Seelen. Diese waren besetzt mit einem Amtsvorstande
und zwei Assessoren.

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