Full text: Volume (Bd. 6 (1872))

des neuen preußischen Immpbiliarrechts. 599
scheinen daher beim ersten Änblick für alle diejenigen Fälle obsolet, wo
der Eigenthumsbesitz sich auf eine freiwillige Veräußerung gründet.
Eine specielle Analyse bestätigt die Richtigkeit dieses Satzes zwar im
Allgemeinen, jedoch mit einer Einschränkung. Wer nach dem A. L.-R.
im guten Glauben an seinen Titel den Eigenthums - Besitz, sei
es auch nur von dem vermeintlichen Eigenthümer, erlangt hat, muß
nach der Theorie des Gesetzbuchs sich nunmehr für den wahren Ei-
genthümer halten. Eben diese anscheinend begründete Meinung
des Eigenthumserwerbes macht die Redlichkeit des Besitzes aus,
und.giebt dem Besitzer gleichsam das Ansehen des Eigenthümers. Wer
aber nach dem neuen Rechte im Wege der freiwilligen Veräußerung den
Besitz auf Grund eines selbst gültigen Rechtsgeschäfts und sogar von
dem wirklichen und eingetragenen Eigenthümer erlangt, kann doch nicht
glauben, das Eigenthum erworben zu haben, wenn der Eigenthums-
Uebergang nicht zufolge Auflassung im Grundbuche eingetragen ist. Zn
Ermangelung dieses Requisits fehlt es eben an der Niedlichkeit des Be-
sitzes, dieser ist im günstigsten Falle ein unrechtfertiger, weil der
Besitzer sich nicht ohne Rechtsirrthum für den Eigenthümer halten kann.
Ist dagegen Auflassung und Eintragung des neuen Erwerbers erfolgt,
so wird derselbe entweder wirklicher Eigenthümer, mag er nun
von dem eingetragenen dispositionsfähigen Eigenthümer oder von dem
eingetragenen Nichteigenthümer im guten Glauben an die Richtigkeit
des Grundbuches gegen Entgelt erworben haben (§. 9 Abs. 2 des Ge-
setzes) oder unredlicher Besitzer, wenn er von einem eingetragenen
nichtdispositionsfähigen Eigenthümer, oder demjenigen erworben hat,
welcher fälschlich für den eingetragenen Eigenthümer vorgestellt ist — da ein
Jrrthum über die Dispositionsfähigkeit und Identität des Veräußerers
nicht ohne Vernachlässigung der schuldigen Aufmerksamkeit Seitens des Er-
werbers vorfallen kann. Nur ein Fall bleibt übrig, wo ein redlicher Besitz
neben dem Eigenthum in Folge freiwilliger Veräußerung erworben
werden kann, wenn nämlich Jemand von dem eingetragenen Nichteigen-
thümer zwar im guten Glauben, aber unentgeltlich die Eintragung
des Eigenthums-Ueberganges im Grundbuche und gleichzeitig den Besitz
der Sache erlangt. Ein solcher kann sich nach dem neuen Gesetze für
den wahren Eigenthümer halten, ohne es zu, sein, selbst wenn das
Rechtsgeschäft ein.formloses war, weil der Mangel der Form durch die
Auflassung geheilt wird (§. 10 des Gesetzes über den Eigenthumserwerb).
Sein Besitz ist ein redlicher und es finden deshalb auf die Auseinan-
dersetzung zwischen ihm und dem wahren Eigenthümer bezüglich der
euu8Ä rot die Bestimmungen §§. 189 ff. I. 7 A. L.-R. Anwendung.

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