Full text: Volume (Bd. 6 (1872))

19. Abhandlungen

19.1. Zur Lehre von den Rechtsquellen, insbesondere vom Gewohnheitsrecht

Abhandlungen

xv.
Zur Lehre von den Rechtsquellen, insbesondere vom
Gewohnheitsrecht.
Von Herrn Professor Felix Dahn in Königsberg.
(Franz Adickes, zur Lehre von den Rechtsquellen, insbesondere über
die Vernunft und die Natur der Sache als Nechtsquellen und
über das Gewohnheitsrecht. Cassel und Göttingen. Verlag
von G. H. Wigand, 1872. SS. 87.)
Wir knüpfen an die Besprechung der genannten, vielfach anregenden
Schrift die Erörterung einiger Fragen, welche den Rechtsphilosophen,
den Rechtshistoriker und den Praktiker fast gleichmäßig beschäftigen
müssen. Eine erschöpfende Darstellung der Lehre vom Gewohnheitsrecht
vom Standpunkt der neuen, auf vergleichender Rechtsgeschichte fort-
bauenden historischen Schule, welche die Methode und Ergebnisse der
deutschen Philosophie seit Hegel und Schelling nicht ignorirt, wie die
alte historische Schule, sondern verwerthet, wäre eine dankenswerthe
Arbeit, die des berufenen Meisters harrt.
Der Verfasser bemerkt mit Recht, (p. V.) daß die schon vor einem
Menschenalter von Savigny als die nächste Aufgabe der wahrhaft histo-
rischen Rechtswissenschaft bezeichnete Aufgabe: „Ausscheidung der abge-
storbenen und nur scheinbar noch fortlebenden Theile des römischen
Rechts" noch immer nicht gelöst sei, und findet den Grund darin, daß
der Beweis einer Uebung derogatorischen Gewohnheitsrechtes, welche
er neben der Rechtsüberzeugung als Voraussetzung der Entstehung von
Gewohnheitsrecht fordert, in den meisten Fällen nicht zu erbringen sei.
Es müssen daher die Bedingungen untersucht werden, unter
denen einzelne Bestandtheile der römischen Rechtstheorie für nicht mehr
anwendbar erklärt werden dürfen: eine Untersuchung der Lehre von
den Rechtsquellen erscheint so als Vorarbeit für die weiter in Aussicht
Zeitschr. f. d. deutsche Gesetzgebung VI. 36

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