Full text: Volume (Bd. 6 (1872))

Rechtssprüche.

533

Der Spediteur ließ die Waare, in der Meinung, daß sie beschädigt sei und
daß die Versicherungsgesellschaft hafte, nach Hamburg zurückkommen und
zeigte dies dem Kommittenten an. In Hamburg ergab sich, daß die Waare
unbeschädigt sei. Der Kommittent erklärte nunmehr, daß die Waare jetzt für
den Adressaten ohne Werth sei und stellte gegen den Spediteur eine Klage
auf Ersatz des aus der Faktur sich ergebenden Verkaufspreises an. Das
O.H.G. hat Letzteren nach dem Klageantrag verurtheilt. Aus den Gründen:
Nach Art. 380 hat der Spediteur zu beweisen, daß er die Sorgfalt eines
ordentlichen Kaufmannes beobachtet habe. Diesen Beweis hat er nicht geführt.
Im Gegentheil geht aus dem Sachverhalt hervor, daß er sich einer kulposen
Handlungsweise schuldig gemacht hat. In Holland ist nach dem Stranden
des Schiffes die Kiste zwar geöffnet, indeß nur oberflächlich untersucht worden;
es konstirte nichts weiter, als daß sich beim Oeffnen der Kiste die Franzen
der seidenen Tücher etwas feucht zeigten. Auf diese oberflächliche Besichtigung
hin hätte der Spediteur, dessen Pflicht es war, den Transport möglichst
schnell zu bewirken, die Waare nicht zurückkommen lasten dürfen, um so
weniger, als er wußte, daß es sich um Modewaaren handle, die bei ver-
zögerter Ankunft erheblich an Werth verlieren. Auf die Haftung der Ver-
sicherungsgesellschaft kann er den Kläger nicht verweisen, denn es liegt kein
unzweifelhaftes Abkommen vor, wonach diese die Waare unter allen Um-
ständen als beschädigt gelten lasten müßte. Ein solches Abkommen hätte er
aber vor Anordnung des Rücktransportes nicht nur treffen, sondern auch für
die Sicherung des Beweises sorgen müssen: er kann seinem Kommittenten
nicht zumuthen, daß derselbe sich dieserhalb in einen zweifelhaften Prozeß ver-
wickeln lasse. Ebensowenig ist der Einwand gegründet, daß Klager durch
sein Stillschweigen das Verfahren des Bekl. genehmigt habe. Denn Letzterer
hat in seinem ersten Briefe nur gemeldet, daß das Schiff gestrandet sei und
daß er die nöthigen Schritte gethan habe, um, falls sich der Verlust der
Waare bestätigen sollte, Ersatz von der Versicherungsgesellschaft zu erhalten.
Im zweiten Briefe zeigt er an, daß er den Rücktransport ungeordnet habe,
und daß die Waare bereits auf dem Rückwege sei. Auf diese beiden Nach-
richten hatte Kläger weder Veranlassung zu protestiren, noch überhaupt sich
zu äußern. (29. Sept. 71. 8t. IV. 3.)
Art. 380, 387 (362).
Spediteur. Schadensersatz.
201. Im Falle einer nicht auftragsgemäßen Handlung deS Spedi-
teurs ist demselben immer noch die Existenz eines dem Auftraggeber erwach-
senen Schadens nachzuweisen. Der Spediteur hat nicht etwa umgekehrt die
Nichtexistenz des Schadens darzuthun. (22. Nov. 71. M, IV. 29.)
Art. 384.
Spediteur als Transport-Unternehmer.
202. Bekl. ist nicht gewöhnlicher Spediteur, sondern Transport-Unter-
nehmer im Sinne des Art. 384. Denn die Rechnung enthält in dem Satz
von 2 Thl. pro Ctr. von Leipzig bis Triest ein Pauschquantum für die
sämmtlichen Transportkosten inkl. Provision. „Mehr aber als die Verein-

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