Full text: Volume (Bd. 6 (1872))

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NechtssprÜche.

tember Disposition hierüber zu treffen, widrigenfalls B. den Roggen sofort
bestens weiter begeben sollte. Im Juli 1864 erhielt B. von dem Agenten
telegraphische Ordre zum sofortigen Verkauf des Roggens. B. bewirkte den
Verkauf; als er aber dem Bekl. unter Uebersendung der Verkaufsrechnung
hiervon Anzeige machte, erklärte dieser, er habe dem Agenten K. keinen Auf-
trag zum Verkaufe ertheilt, B. möge sich an Letzteren halten. Darauf er-
klärte B., dann habe Bekl. die 100 Wispel nach wie vor per Oktober-
November 1864 zu empfangen, er möge darüber disponiren. Bekl. verwei-
gerte dies, weil die 100 Wispel schon im Juli von B. verkauft worden
seien. Darauf hin kündigte B. am 3. und 4. Oktober den Roggen bei sich
selbst und beansprucht vom Bekl. die Differenz. Im Gegensatz zu der Leip-
ziger Juristenfakultät und dem Appellationsgericht hat das O.H G. den An-
spruch für gerechtfertigt erklärt. Auf die Desavouirung des vom Agenten K.
ertheilten Verkaufsauftrages seitens des Bekl. war Kläger befugt und ver-
pflichtet, den Verkauf vom 22. Juli wenn möglich zu annulliren und 100
Wispel Roggen fernerweit zur Disposition des Bekl. zu halten. Möglich
war die Annullirung, wenn der zwischen den Parteien geschlossene Vertrag
lediglich ein Differenzgeschäft enthielt, oder wenn der im Mai 1864 gekaufte
Roggen die Eigenschaft nicht einer species, sondern eines genus hatte. Die
erste Alternative (Differenzgeschäft) wird verneint, die zweite bejaht, und
hierin besteht die Abweichung des O.H.G. von den vorher angeführten Ent-
scheidungen, welche annehmen, daß die 100 Wispel durch die Meldung des
Ankaufs zu einer res certa für den Bekl. geworden und durch den Verkauf
im Juli beiden Theilen entrückt seien. Das O.H.G. dagegen führt aus:
„Es waren zu kaufen und gekauft schlechthin 100 Wispel Roggen
a 2000 Pfd. Eine Spezialisirung war nicht gegeben. Daß der Kläger
dies Quantum effektiv übernommen, aus anderen Beständen für den Beklag-
ten ausgeschieden, überhaupt durch irgend eine Maßnahme zu einem beson-
deren Individuum gemacht und solches dem Beklagten gemeldet .hätte, ist
weder behauptet noch ersichtlich. Die bloße Anzeige, daß er 100 Wispel
Roggen wie aufgegeben an der Breslauer Börse für Beklagten gehandelt
habe, genügte dazu nicht. Diese Anzeige blieb auch dann richtig, wenn der
Kläger sich durch einen Abschluß mit einem Dritten die Disposition über
das aufgegebene Quantum, ohne es zu empfangen, nach Maßgabe des
Schlußscheines gesichert hätte oder wenn er kraft seines gesetzlichen Rechts —
Art. 376 d. H.G.B. — als Selbstverkäufer eingetreten und etwa im Stande
gewesen wäre, aus eigenen Beständen das nicht ausgesonderte Quantum seiner
Zeit zu liefern. Die bloße Ausführungsanzeige enthielt also keine That-
sache, welche deni Beklagten ein Anrecht an einem bestimmten, individuellen
Vorrath von 100 Wispel Roggen gegeben hätte. Folglich konnte der Kläger
nach der Mißbilligung des Verkaufs vom 22. Juli 1864, ohne dem ver-
kauften Objekt ein rechtlich anderes zu substituiren, sich auf die oben geschil-
derte Weise von Neuem in die Lage bringen, 100 Wispel Roggen a 2000 Pfd.
nach Maßgabe des Schlußsche'mes zur Verfügung des Beklagten-zu Hallen,
unter Umständen also jenen Verkauf durch bloße Ab-- und Zuschreibung in
seinen Büchern zu annulliren." (3. Febr. 71. M. I. 77. C. I. 127.)
Berechnung des Börsenkurses.
196. Kläger hat durch die Beklagte die auf seinem Rittergut hasten-

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