Full text: Volume (Bd. 6 (1872))

418 Göppert: Die deutsche Literatur des römischen Rechts
S. 268 dieser Zeitschrift ausführlich berichtet. Den Anfang einer Bear-
beitung der ganzen Lehre bietet jetzt:
Mandry, das gemeine Familiengüterrecht mit Ausschluß des
ehelichen Güterrechts. Bd. 1. Tübingen 1871. XVII und
524 S. 8vo.
Nach dem S. 3 entwickelten Plane will Mandry von dem Ein-
fluß der väterlichen Gewalt auf das Vermögen in 7 Büchern handeln:
Grundlagen; profectizisches Pekulium, Haftung des Vaters für das
Hauskind; kastrensisches Pekulium; adventizisches Vermögen; die justi-
nianischen Prinzipien und ihre Rückwirkung auf das frühere Recht; das
in Deutschland geltende gemeine Familiengüterrecht. Der vorliegende
1. Band umfaßt nur das 1. Buch „die Grundlagen."
Als diese Grundlagen bezeichnet Verfasser zwei Prinzipien, in deren
Besprechung sich die beiden Kapitel des Bandes theilen: die Unfähigkeit
des Hauskindes, Subjekt von Privatrechten, speziell von Vermögens-
rechten, also eines aktiven Vermögens zu sein; sodann die Fähigkeit
desselben, sich Dritten gegenüber zu verpflichten, also Schulden zu
haben.
Den zweiten Grundsatz schließt Verfasser von dem ältesten Bestände
aus und schreibt ihn erst der spätem, übrigens noch vorklassischen Ent-
wicklung zu (S. 340 —345). Dagegen die Vermögensunfähigkeit (nicht
bloße Vermögenslosigkeit, auch keine latente Mitberechtigung am Ver-
mögen des Hausvaters: S. 6—28) gehört zu dem Grundstock des ältesten
römischen Rechts. Mandry erkennt an, daß sie in engster Verbindung
mit der Regel steht, daß jeder Erwerb der Kinder rechtlich Erwerb des
Hausvaters ist (S. 6); sie habe aber nicht ihren Grund in diesem An-
spruch des Vaters auf den Erwerb des Kindes (S. 28), sondern sei
umgekehrt dessen Voraussetzung und Ausgangspunkt (S. 56). Sie
wurzele auch nicht in der juristischen Natur der patria potestas (S. 30 ff.),
sondern sei unmittelbar durch die Organisation der römischen Familie
gegeben (S. 35—56). Deren Grundzüg e seien indogermanisches Gemein-
gut, die rechtliche Gestaltung aber, namentlich die Dauer der Unter-
werfung des Kindes während des ganzen Lebens des Vaters und die
völlige (Vermögens-)Rechtlosigkeit des Kindes spezifisch römisch.
S. 66—339 enthält die Entwicklung des Prinzips der Vermögens-
Unfähigkeit des Kindes und seiner Folgesätze. Es wird besprochen der
Erwerb des Vaters durch die Kinder (S. 56—183), die effektive Ver-
mögenslosigkeit des Kindes und ihre Folgen: als solche gelten dem Ver-
fasser unmittelbar nur die Unmöglichkeit einer Beerbung des Hauskindes

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