Full text: Volume (Bd. 6 (1872))

im Jahre 1871.

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sicht über die Remission sind begreiflicher Weise die Anschauungen des
Verfassers über die mit dem ganzen Institut vor und durch Justinian
eingetretenen Veränderungen wesentlich bedingt (S. 517). Schon vor
Justinian sei, wie im Allgemeinen der formelle Ausspruch der Inter-
dikte, der Remissionsbefehl weggefallen, mit ihm zugleich sowohl die für
die Remission erforderliche Kaution, als die außergerichtliche cautio ex
operis novi nuntiatione. Auf den Remissionsantrag des Nunziaten sei
Nunziant genöthigt worden, seinerseits die causa nuntiationis anzugeben,
wenn er nicht die unbedingte Aufhebung des Banns geschehen lassen
wollte; damit habe denn aber, wenn Nunziat widersprach, der Prozeß
über das Prohibitionsrecht unmittelbar begonnen, übrigens auch wieder
ein Prozeß, worin der Kläger als der Angegriffene, Provocirte erscheint;
bis zum Ausgang dieses Prozesses habe jetzt das Bauverbot unbedingt
ein ganzes Jahr lang fortbestanden ohne Möglichkeit für den Beklagten,
sich die interimistische Bauerlaubniß durch Sicherheitsleistung zu ver-
schaffen. Justinian habe in der bekannten und vielbestrittenen I. un. C.
de novi op. nunc. 8. 11 ihm diese Möglichkeit Vermittelsteiner von den
beiden altern wesentlich verschiedenen Kaution für den Fall wieder-
gewährt, daß der Prozeß länger als drei Monate dauert. —
8.
i Das eigentliche Familienrecht ist der wenigst kultivirte Theil des
gemeinen Civilrechts; das vergangene Jahr bietet ebenfalls keinen Fort-
schritt in. der juristischen Durchdringung der bezüglichen Verhältnisse.
Von der Familiengüterlehre ist nur das Dotalrecht von jeher viel be-
handelt worden, in den letzten Jahren in den umfassenden Mono-
graphien von Bechmann und Czyhlarz. Neuerdings hat aber auch
die Lehre vom Einfluß der väterlichen Gewalt auf daS Vermögen mehr
Beachtung gefunden. Die nicht leicht nachzudenkende, uns vielfach wenig
kongeniale Ausbildung in der klassischen Nechtszeit, ungewöhnliche Inter-
pretations-Schwierigkeiten der bezüglichen Quellen, die umgekehrt wenig
durchgebildeten und darum noch mehr Mühe erheischenden Neuerungen
der spätesten Zeit, die dornige Aufgabe der Scheioung des Geltenden
und Veralteten im. heutigen Leben, dogmengeschichtliche Untersuchungen
der lästigsten Art erfordernd, all dies macht das lange Zurücktreten der
Lehre begreiflich, muß uns aber auch mit besonderem Dank für Die-
jenigen erfüllen, welche ihrer neuen Erforschung sich unterziehen.
Fitting hat uns im Jahre 1871 mit einer Arbeit dieser Art für
einen wichtigen Abschnitt beschenkt, das peculium castrense und quasi
castrense; ich selbst habe bereits über das werthvolle Buch in Band 5
Zeitschr. f. d. deutsche Gesetzgebung. VI. 27

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