Full text: Volume (Bd. 6 (1872))

412 Göppert: die deutsche Literatur des römischen Rechts
durch das Einzehen auf die Ideen von Heißler (das Civilunrecht und
seine Formen, Wien 1870) zu der Aufstellung: die Nichtbeachtung der
Mahnung sei jedenfalls objektives Unrecht. Er selbst erkennt als
regelmäßige Folge solches Unrechts ohne Verschuldung die an, daß der
Gekränkte einfach nur Herstellung des seinem Recht entsprechenden Zu-
standes fordern kann: dies würde hier auf die simple Erfüllungsklage
führen. Wie kommen wir aber hier zu den weitergehenden Folgen der
mora? Der Umstand, daß „in Folge der nichtbeachteten Mahnung gar
leicht auch andere gegebene Rechtsbestände verschoben werden können"
(S. 425), vermag dies nicht zu rechtfertigen, da dieser Grund so ziemlich
bei jedem objektiven Unrecht zutrifft: die mannigfachsten Nachtheile
können mir doch z. B. dadurch erwachsen, daß Jemand optima Me
meine Sache besitzt und mir vorenthält.
Es .ist nicht meine Sache hier im Einzelnen auf die Ausführungen
des Verfassers einzugehen; ich meine, daß sie, soweit sie Neues bringen,
überwiegend häufig Widerspruch herausfordern dürften. Beistimmend
möchte ich den Nachweis hervorheben, daß die Fälligkeit nicht unbedingt
schon vor der Mahnung vorhanden sein muß, sondern daß es genügt,
wenn sie nur erst durch die Mahnung selbst eintritt (S. 431), sowie
die Erörterung über den richtigen Zeitpunkt der Mahnung bei Leistungen,
welche eine längere Zeit in Anspruch nehmen (S. 441). Die Abschnitte
über Art, Zeit, Ort, Gegenstand der Mahnung S. 508—553 enthalten
neben manchem Bedenklichen viele treffende Bemerkungen und gute
Illustrationen zu der in 1. 32 pr. D. de usur. ausgesprochenen War-
nung vor schematischer Formulirung geschlossener Regeln für die Be-
urtheilung konkreter Fälle. Befremdlich ist die Weise, wie Verfasser
S. 32-7 und sonst auf Grund von 1. 91 8- 3 D. de Y. 0. (veteres
constituerunt) von einer „Einführungskonstitution der Mahnung" spricht.
Desgleichen die Notiz über die „eigene Bewandtniß", welche es mit der
actio legis Aquiliae hat (S. 92). Die neue Auffassung der Correal-
obligationen, als mehrerer Obligationen, jede bedingt dadurch, daß
die andere nicht erfüllt wird (S. 310), wird sich keine Freunde er-
werben. —
Ungleich erfreulicher ist der Eindruck folgender zu dem Jubiläum
von Huschke erschienenen Festschrift, wenn auch ihr Thema bereits eine
ganze Literatur für sich besitzt:
H. Schwanert, die Kompensation nach römischem Recht.
Rostock VIII u. 75 S. 8vo.
Verfasser schickt S. 1—28 eine Kritik der herrschenden Lehre von
der Kompensation im Allgemeinen und namentlich der verschiedenen

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