Full text: Volume (Bd. 6 (1872))

im Jahre 1871.

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„Probabilia über die legis actio per condictionem"; besonders bei dem
letzten Aufsätze möchte ich einstweilen meine Zustimmung zurückhalten.
6.
Im Sachenrecht hat nur das Eigenthum den Gegenstand mehrerer
Arbeiten gebildet, darunter zwei von dem verehrten Senior unseres Fachs,
C. G. v. Wächter.
Die eine betrifft:
das schwebende Eigenthum. Leipzig 1871. 34 S. 8vo.
Seit Fitting's Schrift über den Begriff der Rückziehung (1856)
sind wir darauf aufmerksam geworden, daß die römischen Juristen in ge-
wissen Fällen annehmen, der status einer Person, die Existenz einer For-
derung, das Eigenthum an einer Sache sei einstweilen in pendenti; es
bestehe eine Ungewißheit nicht bloß über die künftige Erlangung, sondern
über den gegenwärtigen Bestand des Eigenthums, über die Person des
gegenwärtigen dominus; diese Ungewißheit könne erst durch gewisse spä-
tere Ereignisse gehoben werden, und zwar gelte die durch diese Ereig-
nisse gegebene Entscheidung auch rückwärts für die Zeit des frühem
Schwedens als maßgebend, indem sie gewissermaßen die bisherige Un-
gewißheit aufkläre. Beim Eigenthum hat solches pendere u. A. den
Erfolg, daß einstweilen keine der Personen, zwischen welchen die Ent-
scheidung schwebt, und überhaupt Niemand die rei vindicatio, condictio
furtiva, actio negatoria anstellen kann. Von mancher Seite, namentlich
v. Vangerow, Lehrbuch Bd. 1 S. 555 ff. werden mindestens 5 Fälle
von solchem dominium pendens aufgezählt: 1. peculium castrense bei
testamentlosen Versterben des Mus familias nach vorjustinianischem Recht;
2. das Eigenthum einer von einem Nießbrauchssklaven auf Kredit ge-
kauften Sache bis zur Bezahlung des Preises entweder aus dem Ver-
mögen des Proprietars oder aus dem des Nießbrauchers; 3. das Eigen-
thumsvermächtniß vor der Entscheidung des Legatars über Annehmen
oder Ablehnen (nach proeulianischer Ansicht); 4. die dem Pfandzläubiger
zugeschlagene Pfandsache bis zum Ablauf der dem Schuldner zustehenden
Einlösungsfrist; 5. beim Nießbrauch einer Heerde der Nachwuchs bis
zur Entscheidung des Usufruktuars, ob er sich ihn aneignen oder zur
Ergänzung der Heerde verwenden will. Die drei letzten Fälle.würden
eventuell noch dem heutigen Recht angehören.
Wächter weift nach, daß die Zahl reduzirt werden muß. Bei
Nr. 1 (S. 18—23) hat inzwischen auch schon Fitting daß dominium
pendens im Wesentlichen aufgegeben. Bei dem Eigenthumslegat (S. 23 f.)
muß die entgegengesetzte sabinianische Ansicht als die rezipirte gelten.
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