Full text: Volume (Bd. 6 (1872))

tra Jahre 1871.

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Weisung zur vollen juristischen und faktischen Prüfung der ganzen Sache
— aber eben unter Beschränkung auf das Civilrecht. Aus dieser letztem
ergiebt sich für die exceptio bei der forma in jus concepta die einfache
Folgerung: sie müsse einen Vertheidigungsgrund des Beklagten enthalten,
welcher nicht schon durch die intentio dem Richter zur Beachtung ange-
zeigt ist, also einen civilrechtlich unerheblichen, d. i. prätorischen, erst
vom Prätor mit Wirksamkeit bekleideten Einwand.
Die zweite Hauptgruppe, die der formulae in factum conceptae,
beschäftigt den-Verfasser S. 17—34. Unter Abweisung der mancherlei
hier obwaltenden Mißverständnisse erklärt er sie für Formeln, worin der
Kondemnationsbefehl an bestimmte nach jus civile unerhebliche, eine
Kondemnation nicht rechtfertigende Thatfachen als einzige Bedingung ge-
knüpft ist. Danach sind also die actiones in factum selbst prätorische
Klagen. Es versteht sich demnächst, daß Einreden bei ihnen, wie ihr
ganzes Rechtsgebilde, auch nur wieder im prätorischen Edikt ihr Fun-
dament haben können (S. 107 ff.; der Verfasser macht sich übrigens
S. 107 f. unnöthige Schwierigkeiten durch einen gewissen Schema-
tismus).
Von Kap. 4 S. 49 beginnt der Quellenbeweis. Eine ganze Reihe
von Aeußerungen der profanen und juristischen Klassiker bezeichnet so
bestimmt wie möglich die Exeeptionen als prätorisch (S. 56 ff.). Der
Gegensatz von ipso jure — ope exceptionis ist identisch mit jure civili
— jure praetorio, worüber die sehr verdienstliche Ausführung S. 61
bis 82 (S. 74 irrt den Verfasser wieder seine oben bemerkte Ansicht
über die bonae fidei actiones). Dagegen heißt es bei Gai. 4, 118, daß
die Exeeptionen theils ex legibus vel ex bis quae legis vicem obtinent,
substantiam capiunt, theils ex jurisdictione praetoris proditae sunt. Die
erste Gruppe, welcher gewisse durch ihren Namen schon ausCivilrechtsquellen
hinweisende Einreden entsprechen: exceptio legis Cinciae, Plaetoriae,
SCti Vellejani, Macedoniani, Trebelliani, hat besonders über das Wesen
der exceptio getäuscht und zur Annahme von „Civilexzeptionen" geführt.
Verfasser weift 49—55 nach, daß das substantiam capere ex legibus
et q. s. nur die Quelle angiebt, woher der juristische Gedanke stammt,
aber nicht der anderweit sich ergebenden Annahme präjudizirt, daß allein
die prätorische Jurisdiktion ihm zur Geltung verhilft — wie Zimme r-
ma nn richtig hinzusetzt, entweder überhaupt oder wenigstens zur Geltung
als Vertheidigungsmittel gegen die Klage, während das Civilrecht ihm nur
in gewisser anderer Weise Wirksamkeit verliehen hatte. Eine Ergänzung
dazu bildet die Erörterung S. 83—106 über die eben genannten Ex-
ceptionen aus der lex Cincia u. s. w., sowie die exceptio justi dominii
Zeitschr. f. d. deutsche Gesetzgebung. VI.

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