Full text: Volume (Bd. 6 (1872))

394 Göppert: Die deutsche Literatur des römischen Rechts
von den Rechtsgeschäften, welche nach dem gangbaren Pandektensystem
im allgemeinen Theil im Abschnitt von der Entstehung und Beendigung
der Rechte untergebracht wird, daneben aber die Erörterung mancher
Dinge, welche sonst in Spezialabschnitten, namentlich im Obligationen-
recht vorgetragen zu werden pflegen, z. B. Vorvertrag, Auktion, Vertrag
zu Gunsten Dritter. Es ist überflüssig, bei Gelegenheit der Beendigung
des Werks dessen System und sonstige ganze Anlage zu kritisiren. Das
gegenwärtig neu vorliegende Stück ist in derselben Weise gehalten, wie
die frühem, die Zum Theil schon seit mehreren Jahren sich in den Händen
des Publikums befinden, und das allgemeine Urtheil darüber dürfte wohl
feststehen. Jedenfalls giebt es eine kritische Durchmusterung des ganzen
Gebiets, überall auf die Schwächen und Bedenken der gangbaren Vor-
stellungen unerbittlich hinweisend, nicht selten auch dieselben gegen neuere
Anzweifelungen vertheidigend, sehr häufig aber selbst neue Gesichtspunkte
und Gedankengänge aufstellend, anregend und treibend, wie eine abge-
rundete Darstelluug mit ihrem häufig trügerischen Schein innerer Fer-
tigkeit es kaum jemals zu sein vermag. Besonders bemerkenswerth ist
in der letzten Lieferung der Abschnitt über Stellvertretung S. 1593 ff.
und die ausführliche Besprechung der neuerdings so viel gequälten Lehre
von der Bedingung S. 1443- 1500, worin Brinz als Vertheidiger
der Rückziehung bei conditio suspensiva und resolntiva anftritt. —
An neuen Auflagen älterer Werke sind erschienen: von Puchta's
Pandekten die 11., wieder von Rudorfs besorgt, die 2. des 6. Bandes
von Unger's österreichischem Privatrecht, enthaltend eine der besten
Darstellungen des Erbrechts, die 7. des Lehrbuchs von Arndts, endlich
die 2. des 3. Bandes von Wind scheid's Pandekten, entsprechend der
dritten Auflage von Band 1 und 2. Die letztgenannte ist, wie die
rasche Aufeinanderfolge der Auflagen unvermeidlich macht, wesentlich nur
Wiederholung der vorhergegangenen mit eingetragenen Nachweisen aus
der neuesten Literatur. In dem Arndts'scheu Lehrbuch, welches den
durch seine vorzügliche Brauchbarkeit für die Studierenden errungenen
Platz allem Anschein nach behauptet, sind die seit der 5. und unver-
änderten 6. Auflage erschienenen Schriften eingehender, wenn auch nicht
so vollständig wie die frühere Literatur, berücksichtigt und erörtert.
5.
Während bei der Rechtsgeschichte die Spärlichkeit monographischer
Arbeiten zu bedauern war, steht es damit für das heutige Recht besser.
Das letzte Jahr zeigt dabei vielleicht sogar Fruchtbarkeit über den
Durchschnitt.

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