Full text: Volume (Bd. 6 (1872))

im Jahre 1871.

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während wir zugeben müssen, daß abschließende Arbeiten nur sparsam
gewesen sind und eigentlich bahnbrechende und epochemachende Leistungen
fehlen, welche als wissenschaftliche Thaten bezeichnet werden könnten.
1.
Bei unserer prüfenden Umschau beginnen wir billig mit der Frage,
was für die Grundlage unserer Studien, die Rechtsquellen, geschehen
ist: Leistungen, deren Verdienst nicht nach Gebühr allgemein empfunden
und anerkannt wird, obgleich selbst der banausischen Anschauung die un-
geheuere Arbeitsmasse und Mühe imponiren sollte, welche Arbeiten dieser
Art erheischen.
Die Vollendung der großen Pandekten-Ausgabe von Mommsen
gehört noch 1870 an. Im letzten Jahre ist nur die Weidmann'sche
Handausgabe des Corpus juris weitergeführt worden, in welcher die
Institutionen von Krüger, die Digesten von Mommsen auf der
Grundlage jener größern Edition besorgt worden sind. Ihre Fortsetzung
wird uns auch Codex und Novellen in neuer, dem heutigen Stande
der philologischen Kritik entsprechender Gestalt (beim Codex von Krüger)
bringen. Es wird nach ihrer Vollendung diese Ausgabe der dann in
ihrer bisherigen Beschaffenheit als veraltet zu betrachtenden Kriegel'-
schen wesentliche Konkurrenz machen, wenn nicht auch diese eine Umge-
staltung erfährt, wie im Plan zu sein scheint.
Die Ähnlichst erwartete Ausgabe des Gajus von Studemund
ist auch in diesem Jahr noch nicht erschienen. Wir dürfen nach den
einzelnen Mittheilungen, welche bisher daraus gemacht worden sind, die
interessantesten und erheblichsten Ergebnisse aus den neuen Lesungen und
den Ergänzungen des Textes hoffen, welche Studemund aus dem seit
Bluhme für desperat geltenden Kodex in Verona gezogen hat.
Dankbar haben namentlich die akademischen Lehrer die zweite Auf-
lage der Fontes juris romani antiqui von Bruns ausgenommen (Tü-
bingen 1871. 8vo). Das Werkchen ist in dieser neuen Ausgabe we-
sentlich erweitert (früher 150, jetzt 253 S.) und verbessert worden. Es
enthält gegenwärtig in der ersten Abtheilung außer den Nachrichten über
leges regiae und den Resten der 12 Tafeln alle Volkszesetze, deren
Wortlaut uns ganz oder theilweise, inschriftlich oder in der Literatur
aufbewahrt ist, ebenso alle Senatsbeschlüsse, soweit sie juristisches In-
teresse haben. Die Sammlung der auf Vronce, Stein oder Wachs er-
haltenen Geschäftsurkunden, die den zweiten Theil bildet, ist ebenfalls
vervollständigt, bis zum 3. Jahrhundert. Endlich sind im 3. Abschnitte,
der Zusammenstellung juristisch interessanter Stellen aus seltenern, schwer
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