Full text: Volume (Bd. 6 (1872))

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Literatur.

thÜrner oder dem Nießbraucher zukomme. Julian und Marcellus entscheiden
im Resultat übereinstimmend zu Gunsten des Grundeigentümers, und ihnen
tritt, wie schon früber Fitting ausgeführt, — aber doch wohl, wie Göppert
annimmt, erst von den Worten „verum 68t enim" an — auch Ulpian bei;
letzterer aber unterscheidet davon noch besonders den Fall, wo das Recht des
Eigenthümers der Muttersache bereits zweifelhaft geworden ist: so z. B. wenn
beim Vorhandensein von Lücken in der Nießbrauchs-Heerde Junge geworfen
und vom Nießbraucher in Besitz genommen, aber bisher weder zur Einran-
girung, noch zu anderweitiger Verwendung bestimmt worden sind. In der
That ist Göppert im Recht, wenn er aus dieser Entscheidung den Satz ab-
leitet, daß die separirten Früchte bis zur Perzeption allemal dem Eigen-
thümer der Muttersache verbleiben. Hieraus aber ergiebt sich dann weiter
(S. 309—313), daß auch Pfandrechte, die vor der Trennung vom Ganzen
btstanren, an der Frucht fortdauern, — nur braucht der Nießbraucher solche,
die jünger als sein Nießbrauchsrecht sind, natürlich nicht zu beachten, —
sowie, daß Verfügungen des Eigenthümers über die Früchte auch nach der
Separation durchaus giltig und wirksam sind; doch muß man ihre Wirk'am--
keit mit der durch den Nießbraucher vollzogenen Aneignung in gleicher Weise
wie bei bedingt vermachten Sachen, erlöschen lassen.
Nach Erledigung der Perzeptionserwerbe bleibt noch der eine Fall zu
erörtern, in welchem ein Fruchtberechtigter das Eigenthum unbestreitbar (arg.
J. 25 §. 1 D. de usur. XXII. l) schon mit der Separation erwirbt, das
ist der Fall des Emphyteuta. (G. S. 313 — 319.) Zu erklären ist diese
Eigenthümlichkeit blos als Privileg und etwa durch die von Göppert versuchte
historische Anknüpfung an das eigenthumsähnliche Recht des Provinzialgrund-
besitzers. Was aber seinen rechtlichen Charakter angeht, so geschieht dieser
Erwerb natürlich, ebenso wie der des Usufruktuars, originär und zugleich
ebenfalls nicht an einer neuen, sondern an einer schon vorher (als par8 fundi)
in fremdem Eigenthum gewesenen Sache; weshalb denn z. B. die vor der
Separation am Grundstück bestellten Pfandrechte auch an den Früchten haf-
ten, aber gegen ein älteres emphyteutisches Recht machtlos sind.
Wenn sich der Abschnitt IV. mit Fragen beschäftigte, die großentbeils
bisher noch Niemand angeregt und erörtert hatte, so geht der folgende fünfte
auf einen unendlich viel bestrittenen Gegenstand über: das Fruchtrecht des
redlichen Besitzers.
In dieser Lehre stellt sich Göppert auf die Seite von Savigny und
Windscheid, die bekanntlich dem bgnae fidei possessor das Eigenthum der
separirten Früchte absprechen, und zwar, wie man nach sorgfältiger Prüfung
anerkennen muß, mit vollem Recht. Den Grund für die Entwickelung seiner
Ansicht legt Göppert zunächst durch eine Widerlegung der herrschenden Theorie,
gegen welche sich in der Hauptsache nur die schon von Windscheid vorge-
brachten Bedenken in eigener Fassung und Motivirung wiederholen ließen.
lG. S. 321 - 344) So wird denn daran erinnert, daß es dem Eigen-
thumserwerb des bon. fidei possessor an innerer Rechtfertigung und an jeder
Analogie fehle (S. 322—328), daß die Gesetzesstellen vom redlichen Besitzer
niemals die Worte fructuum dominus est oder dergleichen, sondern immer
nur unbestimmte Wendungen, wie fructus suos facit und ähnliche brauchen
(S. 328- 329), daß sie auch dies suos facere keineswegs immer an die

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