Full text: Volume (Bd. 6 (1872))

Stieve: lieber das Subhastations-Bersahren in Elsaß-Lothringen. 345
der nach den gewählten und wirklichen Wohnsitzen der Gläubiger adressirten Briefe
nachgewiesen.
Den Vetheiligten ist auf Verlangen eine Anzahl von Exemplaren der Verkaufs-
verordnung zu angemessener Verbreitung zu übergeben.
§. 9. Erscheint der betreibende Gläubiger weder persönlich noch durch einen
Bevollmächtigten im Versteigerungstermine, so unterbleibt die Fortsetzung des Ver-
fahrens, vorbehaltlich der Bestimmungen im §. 28.
§. 10. Im Versteigerungstermine sind zunächst
die stattgehabten Verhandlungen (§§. 2 bis 9) offen zu legen und in geeigneter
Weife zur Kenntniß der Anwesenden zu bringen,
sodann die Kaufbedingungen zu verlesen und der voraussichtliche Betrag der Kosten
des Verfahrens anzugeben, demnächst
die Liegenschaften zu den Angeboten zum Verkaufe auszusetzen.
§. 11. Die Versteigerung geschieht bei brennenden Kerzen in der Art, daß der
Zuschlag erfolgt, sobald nach einem Gebote drei Kerzen, deren jede wenigstens eine
Minute brennt, ohne Mehrgebot erloschen sind.
Ein Mehrgebot oder Zuschlag, welche vom Friedensrichter sofort sür ungültig
erklärt werden, entkräften das vorangegangene Gebot nicht.
Der Ansteigerer hat im Bezirke des Friedensgerichts, wenn er daselbst nicht
wohnt, Wohnsitz zu wählen.
§. 12. Der Friedensrichter, Gerichtsschreiber und dienstthuende Gerichtsvollzieher
können bei Strafe der Nichtigkeit des Zuschlages und disciplinarischer Ahndung weder
selbst noch durch Mittelspersonen bieten.
Unbekannten und Zahlungsunfähigen ist vom Friedensrichter das Bieten nur
dann zu gestatten, wenn sie einen als Selbstschuldner haftenden geeigneten Bürgen
stellen.
Der Anfteigerer kann auf Verlangen anwesender Betheiligter durch Verfügung
des Friedensrichters zu sofortiger Bürgschaftsleistung angehalten werden. Erfolgt sie
nicht, so ist der Zuschlag für nicht ertheilt zu erklären.
§. 13. Benennt der Ansteigerer bis zum Ablaufe des dritten Tages nach dem
Zuschläge mittelst gerichtlich zu beurkundender Erklärung einen Dritten als denjenigen,
sür welchen er gekauft habe, so gilt dieser Dritte, wenn seine Annahme in der oben
bezeichneten Frist erfolgt, als unmittelbarer Käufer und der Ansteigerer als sein
Solidarbürge.
§. 14. Die Kosten des Verfahrens fallen, vorbehaltlich anderweitiger Festsetzung
in den Bedingungen, den Ansteigern zur Last.
§. 15. Das Versteigerungsprotokoll enthält:
1) die BezeiRnung des betreibenden Gläubigers, des Schuldners und Dritt-
besitzers, des gewählten Wohnsitzes des Gläubigers, des zur Vollstreckung gelangten
Titels, der dem Schuldner und Drittbesitzer zngestellten Aufforderungen, das Datum
der Verkaussverordnung und^der Tage ihrer Zustellung, Ueberschreibung und Bekannt-
machungen;
2) die Beurkundung, daß sämmtliche Verhandlungen des Verfahrens, die etwa
erfolgten Einsprüche und ergangenen Entscheidungen offen gelegen haben und zur
Kenntniß der Anwesenden gebracht sind;
3) die Kaufbedingungen und die Beurkundung ihrer öffentlichen Verlesung;
4) die Bezeichnung jeder zum Verkaufe ausgesetzten Liegenschaft, der Meistgebotc
und der Meistbietenden, die Beurkundung des in der Form des §. 11 geschehenen

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