Full text: Volume (Bd. 6 (1872))

über daö Vormundschastswesen.

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Mährend der Dauer eines solchen Vertrags ist der Vormund
von der jährlichen Rechnungslegung befreit."
12. Unserer obigen Ausführung entsprechend schlagen wir vor, im
§. 87 die Nr. 8 zu streichen.
13. Zum §. 91 dürfte sich bei der Wichtigkeit des Vermögens-
Inventars, welches die Grundlage der gesummten vormundschaftlichen
Verwaltung bildet, der Zusatz rechtfertigen:
„Ueber die Richtigkeit und Vollständigkeit des ausgestellten Ver-
zeichnisses hat der Vormundschaftsrichter die Verwandten des
Pflegebefohlenen zu vernehmen."
14. Wenn der Pflegebefohlene bei der Erbtheilung vom Vormund
und Gegenvormund vertreten wird, so ist das gewiß ausreichend und
wir sehen nicht ein, wozu man mit dem Geschäft der Ausmittelung und
Feststellung des Erbtheils auch noch den Richter belästigen will, aus-
genommen den Fall, wenn die Erbtheilung auch Grundeigenthum zum
Gegenstand hat.
Auch Märcker a. a. O. S. 312 ist hier im Wesentlichen mit uns
einverstanden. Statt der §. 96 und 97 empfehlen wir folgenden
Paragraphen:
„Die Ausmittelung und Feststellung des Erbtheils hat der
Vormund und Gegenvormund mit den Miterben des Pflege-
befohlenen vorzunehmen.
Die hierüber aufzusetzende Theilungsurkunde muß vom Vor-
mund und Gegenvormund und sämmtlichen Miterben unter-
zeichnet sein.
Einer Genehmigung des Vormundschaftsrichters bedarf es nur
dann, wenn die Erbtheilung auch Grundeigenthum zum Gegen-
stand hat."
15. Die Bestimmungen der §§. 104—106 sind unseres Erachtens
durchaus zweckmäßig und durch die Motive vollständig gerechtfertigt.
Nach Hess. Vormundschaftsrecht kann der Minderjährige nur solche
Rechtsgeschäfte selbständig abschließen, welche Beziehung auf ein Gewerbe
oder eine Kunst haben, zu deren Ausübung derselbe öffentlich autorisirt
ist. Und was den §. 106 anlangt, so ist es auch nach der Praxis der
hessischen Gerichte dem Vormund gestattet, die Nutzungen des'Vermö-
gens dem Pflegebefohlenen unter Aufsicht zur eignen Verwaltung zu
überlassen.
16. Die Bemerkung Philler's a. a. O. S. 341, daß die Bestim-
mung des §. 107 nicht in das Vormundschaftsgesetz gehöre, ist streng
genommen richtig. Die Vorschrift des gedachten 8 stimmt übrigens mit

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